Museen zur Geschichte der Täufer und Mennoniten

1. In Deutschland

Das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold widmet sich historischen, soziologischen, theologischen sowie wechselseitig-kulturellen Themenstellungen der so genannten Russlanddeutschen. Damit wird ein Bereich deutscher Geschichte aufgearbeitet und ausgestellt, der in dieser Form bisher in bundesdeutschen Museen nicht berücksichtigt wurde.

Derzeit leben mehrere Millionen Personen mit russlanddeutschem Migrationshintergrund in der Bundesrepublik Deutschland. Sie verfügen über eigene kulturelle Merkmale, die sich von denen der Russen in Russland und Deutschland, aber auch von denen der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland unterscheiden können - u. a. durch eine eigene Geschichte und Erinnerungskultur sowie spezifische Formen der Religionsausübung. Das Museum greift neben historischer Aufklärungsarbeit ebenso integrationsrelevante und für die Verständigung unterschiedlicher Milieus wichtige Frage- und Problemstellungen auf. Maßgabe ist dabei die im Eingangsportal des Museums ausgestellte Inschrift der Friedland-Gedächtnisstätte, deren Ort für viele Russlanddeutsche erster Bezugspunkt war: „Völker entsaget dem Hass - Versöhnt euch, dienet dem Frieden - Baut Brücken zueinander!“

Die Dauerausstellung arbeitet die Auswanderungs- und Siedlungsgeschichte, kulturelle und wirtschaftliche Leistungen der Russlanddeutschen sowie das religiöse Leben, welches infolge der Repressionen im 20. Jahrhundert ein äußerst heterogenes Erscheinungsbild annahm, auf. Neben Basisinformationen zum gesamtkirchlichen historischen Erscheinungsbild der Russlanddeutschen, wird ebenso die mennonitische Auswanderung nach Russland thematisiert (→Russland). Die ausgestellten Exponate und Schriftstücke konzentrieren sich auch hier auf religiöse, ökonomische und kulturelle Inhalte, insbesondere mit dem Schwerpunkt auf die Ansiedlung „Chortiza/Molotschna“. Weitere Vertiefungsmöglichkeiten zur Geschichte der Mennoniten in Russland werden über entsprechende Sonderführungen ermöglicht. Darüber hinaus gibt es einen umfangreichen Bibliotheksbestand zur Geschichte und Gegenwart russlanddeutscher Mennoniten. Eine Sonderausstellung zum Thema „Russlanddeutsche Freikirchen“, welche zu einem erheblichen Teil mennonitische Ausprägungen haben, kann im Museum entliehen werden.

Des Weiteren bietet das Museum Fortbildungsmöglichkeiten an. Neben der Sammlung und einer themengebundenen Bibliothek, werden Tagungen, Kulturveranstaltungen sowie Sonderausstellungen initiiert. Dabei wird u. a. mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Universität Oldenburg) sowie dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (Universität Osnabrück) kooperiert.

Initiator und langjähriger Förderer des Museums war und bleibt der Christliche Schulförderverein Lippe e.V., der auch den 2011 eröffneten Museumsneubau ermöglicht hat. Seit 2016 wird das Museum aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages maßgeblich durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien finanziell getragen. Derzeitiger Museumsdirektor ist der Historiker Kornelius Ens, der die langjährige Leiterin Dr. Katharina Neufeld abgelöst hat.

Weitere Informationen zu Sonderveranstaltungen und zum Kulturprogramm können der Museumshomepage (http://www.russlanddeutsche.de) entnommen werden. Das Museum befindet sich in der Georgstr. 24, 32756 Detmold.

Kornelius Ens

2. In Nordamerika

Text folgt.

3. In Österreich

Text folgt.

4. In der Schweiz

Ein eigenständiges Museum für täuferische Geschichte gibt es in der Schweiz trotz etlicher Bemühungen noch nicht. Hingegen beherbergen Archiv und Bibliothek der Schweizerischen Mennonitischen Konferenz (ABKMS) in der Kapelle Jeangui auf dem Mont Soleil bei Corgémont zahlreiche handschriftliche Dokumente, alte Drucke und Gegenstände des täglichen Gebrauchs, welche in einigen Vitrinen ausgestellt werden und Zeugen dieser Geschichte sind (http://www.menno-arch.ch/).

Auch die Dokumentationsstelle des Schweizerischen Vereins für Täufergeschichte auf dem →Bienenberg macht in einem kleinen Rahmen Geschichte durch Texte, Karten, Schaubilder und alte Bücher als Einzelexponate sichtbar (http://mennonitica.ch/).

In den letzten Jahren haben aufgrund des gewachsenen Interesses einer breiteren Öffentlichkeit an Geschichte und Theologie des Täufertums einige kleinere Museen dieses Thema in ihre Ausstellung integriert.

So hat 2004 das Museum Schleitheimertal ein spezielles „Täuferzimmer“ zur Geschichte des Täufertums im Kanton Schaffhausen und speziell in Schleitheim eingerichtet. Herzstück ist ein Originaldruck des Schleitheimer Bekenntnisses von 1527 in einer Publikation um 1550 (http://www.museum-schleitheim.ch).

Im Jahr 2007 wurde auf dem Hof Hinter-Hütten im Trub (Emmental) eine kleine Ausstellung zur Geschichte der täuferischen Bezüge dieses Gehöftes im Rahmen der bernischen und schweizerischen Täufergeschichte eröffnet. Schwerpunkt ist dabei das einzige in der Schweiz für die Öffentlichkeit zugängliche „Täuferversteck“ (http://www.taeuferversteck.ch/).

Stücke aus der Familiengeschichte des Täufermärtyrers Hans Haslibacher werden ebenfalls seit 2007 auf dem Hof Haslebach bei Sumiswald gezeigt (http://www.sumiswald.ch/wAssets/docs/tourismus/Fuehrer-zum-Taeuferpfad.pdf).

Lokale Museen in Gegenden mit stärkerer täuferisch-mennonitischer Präsenz haben oft einzelne Hinweise im Rahmen ihrer Dauer- oder Sonderausstellungen integriert, so etwa das Regionalmuseum in Langnau im Emmental. Manche der genannten kleineren lokalen Ausstellungen sind Teil einer Anregung, die täuferische Geschichte im Rahmen kleiner Exkursionen auf „Täuferwegen“ zu erwandern. Solche Täuferweg-Angebote gibt es derzeit in Sumiswald und Trub im Emmental, in der Region Chasseral im Jura sowie im Schaffhausischen.

Derzeit (2016) laufen v. a. seitens des Vereins Memoria Mennonitica (http://memoriamennonitica.ch/) diverse Bestrebungen, täufergeschichtlich wichtige Objekte aus privaten Sammlungen in Legate überzuführen und für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für die dafür zu findenden Räumlichkeiten standen bzw. stehen seit einiger Zeit so bedeutende Orte wie Schloss Trachselwald im Emmental oder der Versammlungsort der ersten täuferischen Gemeinde von 1525 in Zollikon bei Zürich im Gespräch, aber auch geeignete Bauernhöfe und alte Täuferkapellen im Jura.

Hanspeter Jecker

 
www.mennlex.de - MennLex V :: loc/museen_zur_geschichte.txt · Zuletzt geändert: 2016/11/28 12:39 von bw     Nach oben
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