Unteres Birstal (Bruggi), Schweiz

1. Gründung und Entwicklung der Gemeinde

Die Gemeinde Unteres Birstal wurde im Jahr 1991 als Tochter-Gemeinde der Evangelischen Mennonitengemeinde →Schänzli (Muttenz) gegründet. Das Anwachsen der Gemeinde Schänzli weckte bei ihren damaligen Ältesten den Wunsch nach einer Tochtergemeinde. Schließlich machte sich eine kleine Gruppe von Pionieren auf, um in Münchenstein eine neue Gemeinde zu gründen. Diese wurde durch die Muttergemeinde unterstützt und über mehrere Jahre hin intensiv begleitet, vor allem von dem Ältesten Samuel Gerber-Oester.

Bei ihrer Gründung zählte die Gemeinde Unteres Birstal 45 Mitglieder. Die Gemeindearbeit wurde phasenweise von teilzeitlich angestellten Predigern geleistet. Gerd Willms wirkte von 1991 bis 1999 als Prediger und Ulrike Mack von 2001 bis 2005 als theologische Mitarbeiterin.

Gemeindeinterne Turbulenzen führten wiederholt zu Austritten. Seit einem Neuanfang im Jahr 2004 hat sich die Gemeinde stabilisiert und neue Mitglieder hinzugewonnen. Zu dieser positiven Entwicklung trug nicht zuletzt die zeitweise sehr intensive und fürsorgliche Begleitung durch erfahrene Mediatoren und Mediatorinnen aus Schweizer Mennonitengemeinden bzw. befreundeten Kreisen bei (insbesondere Madeleine Bähler von der →Konferenz der Mennoniten Schweiz, Cor Kejzer (Niederlande), Marc Nussbaumer von der Evangelisch-Methodistischen Kirche. Trotz ihrer überschaubaren Größe hat die Gemeinde eine Eigenständigkeit mit verschiedenen lebendigen Arbeitszweigen erlangt.

2. Gemeindeverständnis und theologische Ausrichtung

Die Gemeinde Unteres Birstal ist eine Alttäufergemeinde, die ihre Mitglieder darin unterstützt, Glauben und Alltag in gelebter Nachfolge Jesu zu verbinden. Vertiefte Auseinandersetzungen mit dem Schleitheimer Bekenntnis (→Brüderliche Vereinigung) und der Theologie des Allgemeinen Priestertums (→Priestertum, allgemeines) waren Meilensteine auf dem Weg zu einem Verständnis der Gemeinde als Leib Christi, die alle Gemeindemitglieder intensiv in Dienste und Entscheidungsprozesse einbezieht.

Zwischen Gemeinde und Ältestenrat herrscht größtmögliche Transparenz. Wichtige Weichenstellungen werden möglichst im Konsens von allen Gemeindemitgliedern mitgetragen und verantwortet. Zentrale Werte der Gemeinde sind das Gebet, die vertrauensvolle Beziehung zu Christus, das Friedenszeugnis, soziales Engagement und die Gastfreundschaft. Das Fundament ihres Glaubens bildet das Wort Gottes in der Bibel. Wer sich zum dreieinigen Gott bekennt, wird auf eigenen Wunsch und als Zeichen dieses Bekenntnisses durch Untertauchen oder Besprengen getauft. Die Gottesdienste bieten Raum für den Austausch von Gebetsanliegen. Quartalweise werden Themen mit begleitender Lektüre in Gottesdiensten und an Gemeindeabenden bearbeitet.

3. Gemeindestrukturen und Arbeitszweige

Als Versammlungsort der Gemeinde Unteres Birstal dient die ehemalige Kornscheune auf dem Areal des Bauernhofes Bruckgut in Münchenstein. Nach diesem Versammlungsort trägt die Gemeinde in der Schweizer Konferenz den inoffiziellen Namen Bruggi.

Das Einzugsgebiet des Bruggi reicht rund 20 km über den Raum Münchenstein hinaus. Neben 35 Mitgliedern besuchen etwa 15 Kinder und Jugendliche die Gemeindeveranstaltungen. Die Gemeinde ist bestrebt, junge Mitglieder und Familien in die Gemeindearbeit einzubeziehen, Erfahrungen sammeln und miteinander teilen zu lassen. Außerdem nehmen einige Freunde regelmäßig am Gemeindeleben teil.

Der sonntägliche Gottesdienst ist das zentrale Ereignis des Gemeindelebens. Daneben gibt es wöchentliche Gebetsgruppen, den Kindergottesdienst und einen Jugendkreis.

Seit 2005 wird die gesamte Gemeindearbeit mit ihren verschiedenen Arbeitszweigen von den Mitgliedern der Gemeinde ehrenamtlich ausgeführt. Dies gilt auch für die Predigtdienste, die ungefähr zu gleichen Teilen von Mitgliedern oder Arbeitsgruppen der Gemeinde und von Gästen aus befreundeten Gemeinden übernommen werden. Die Gemeindearbeit ist breit abgestützt. Die Dienste sind verteilt und jedes Mitglied ist in eine oder sogar mehrere Aufgaben eingebunden.

Ein Ältestenrat leitet die Gemeinde. Wichtige Gemeindefragen werden vom Ältestenrat vorbereitet und an Gemeindeabenden besprochen. Einmal im Jahr werden wichtige Belange und Weichenstellungen in einer Mitgliederversammlung zur Abstimmung gebracht.

4. Beziehungen zu anderen Alttäufergemeinden, zu Mennoniten weltweit und zu Ortskirchen im Raum Basel

Die Gemeinde Unteres Birstal ist Mitglied der →Konferenz der Mennoniten Schweiz (KMS). Sie pflegt Kontakte zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die weltweit in Hilfswerken und Missionsarbeit im Einsatz sind, sowie zur →Mennonitischen Weltkonferenz. Predigtdienste durch Vertreterinnen und Vertreter anderer Gemeinden führen zu einem regelmässigen Kontakt mit anderen Mennonitengemeinden in- und außerhalb der Schweiz und evangelischen Ortskirchen im Raum Münchenstein/Basel. Im Rahmen der Mitarbeit in der Evangelischen Allianz kommt es ein- bis zweimal im Jahr zu gemeinsamen Treffen. Zur Muttergemeinde Schänzli in Muttenz besteht nach wie vor eine besondere Verbindung, etwa über den Chor sowie die Kontakte zum Theologischen Seminar Bienenberg, aus denen sich wesentliche theologische Impulse ergeben.

Anschrift der Gemeinde

Alttäufergemeinde (Mennoniten) Unteres Birstal, Baselstrasse 95, 414 Münchenstein (Schweiz), www.bruggi.ch; E-Mail: info@bruggi.ch

Mathilde Gyger

 
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