Geiser, David

geb. am 13. April 1866 im Loch, Mont Soleil, Sonvilier (Schweiz), gest. am 23. November 1948 in La Chaux-d´Abel (Schweiz); Landwirt, Prediger und Ältester.

David war das achte von zwölf Kindern des Ehepaars Johannes Geiser und Katharina, geb. Lerch, wohnhaft in Mont Soleil, auf dem Hof Im Loch, Sonvilier. Die Eltern waren sehr gottesfürchtig, und neben der täglichen Bibellesung wurden regelmäßig in ihrem Haus mit anderen Täufergeschwistern Bibelstunden abgehalten. Hier wurde auch ein Gottesdienstraum eingerichtet. Nach der Trennung von der Mennonitengemeinde →La Chaux-d'Abel wurde es der Gottesdienstort der Mennonitengemeinde →La Chaux-d'Abelberg. Die Taufe war für David Geiser ein eingreifendes Erlebnis und eine bewusste Entscheidung. Wie sein älterer Bruder Abraham verspürte er schon in jungen Jahren der Wunsch, seinem Herrn zu dienen und sich in der mennonitischen Gemeindearbeit zu engagieren. Er wurde mit vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahren von der Mennonitengemeinde La Chaux-d’Abel zum Prediger berufen.

1892 heiratete er Marianne Sprunger. Sie starb kinderlos im Frühjahr 1902. Im Frühjahr 1893 hatte das Paar einen Hof in Malpat fünf Kilometer von der Schweizer Grenze, Le Locle-Col-des-Roches, gepachtet. Der Ehemann blieb Prediger der Gemeinde La Chaux-d’Abel und predigte auch in der Amischen Gemeinde Locle-Bressels. Er versah seinen Predigtdienst in der Amischen Gemeinde von 1902 bis 1923. Auch soll das Ehepaar gute Beziehungen zur evangelischen Kirche unterhalten haben. 1900 oder 1901 zog das Paar auf einen Pachthof nach Jaluse, Le Locle. Im Frühjahr 1902 starb Marianne Geiser nach längerer Krankheit. Auf den Rat seiner Frau hin heiratete David im selben Jahr die reformierte Louise Tschanz, die schon viele Jahre Magd bei ihnen war. Dem Paar wurden neun Kinder geboren. Der Hof in Le Locle wurde verkauft, und nun zogen sie mit den ersten vier Kindern auf den Hof Le Bardot, Mont-Soleil. 1919 konnte die Familie einen Hof nicht weit von der Gemeinde in La Chaux-d’Abel pachten. David Geiser galt als ein besonders in der Viehzucht erfolgreicher Landwirt.

Bis zur erwähnten Trennung 1930 war er Ältester der Gemeinde in La Chaux-d’Abel. Wann er Ältester wurde, ist nirgends dokumentiert. Eine der Ursachen, die zur Trennung führten, war, dass er mit anderen Brüdern der Konferenz der altevangelischen Taufgesinnten, besonders aber mit seinem Freund Samuel →Nussbaumer, gegen die Einsegnung Gottlieb Looslis, dem Lehrer der Schule, eingetreten war. Nach der Trennung wurde er Ältester der Mennonitengemeinde La Chaux-d’Abelberg. Er war ein Verfechter der täuferischen Lehre, wie sie in der Brüderlichen Vereinigung etlicher Kinder Gottes von Schleitheim bekannt wurde. Als Theologe war er Autodidakt. Er war aber sehr belesen, ein glänzender Redner, ein guter Systematiker und ein gefragter Conférencier. Regelmässig hat er, manchmal mehrmals jährlich, Bibelvorträge vorwiegend in Mennonitengemeinden in Deutschland, Frankreich, Holland sowie in nichtmennonitischen Kreisen der Schweiz gehalten. In seinen Vorträgen betonte er häufig die Präsenz Christi für die Welt, wie sie sich in einer lebendigen Nachfolge Jesu manifestiert, in der Heiligung als dem ausschließlichen Werk des Heiligen Geistes. Theologisch soll er von George Steinberger und Jakob Vetter beeinflusst gewesen sein (Samuel H. Geiser). Unter dem Stichwort der «völligen Erlösung» wird der Mensch durch das vollbrachte Opfer Christi nicht nur von der Knechtschaft der Sünde, sondern auch von Krankheits- und Todesmächten befreit.

1921/22 hat er sich auf Konferenzebene stark dafür eingesetzt, dass die Schweizer Gemeinden sich an dem Projekt des →Mennonite Central Committee (MCC) für die Unterstützung der hungernden Mennoniten in der Ukraine und Russland beteiligen. Im Auftrag der Konferenz war er in den Missionsverein der →Algemene Doopsgesinde Societeit in den Niederlanden delegiert worden und hat sich über die Schweizer Grenzen hinaus als mennonitische Persönlichkeit verdient gemacht. Mit zwei anderen Schweizer Brüdern bereitete er mir Christian →Neff die erste →Mennonitische Weltkonferenz 1925 in Basel vor, wo er als Redner auftrat. Nach dem Tod seines Bruders Abraham 1928 übernahm er 1929 bis zum seinem Tod das Ältestenamt der Gemeinde Gex in St-Genis. Er hat sich für den Druck des Buches von Samuel H. Geiser über die Taufgesinnten-Gemeinden in der Schweiz eingesetzt.

In den 1930er Jahren, als die wirtschaftliche Rezession mehre mennonitische Landwirte in den Konkurs getrieben hatte, so dass sie ihre Höfe verkaufen mussten, beauftragte ihn die Konferenz, den betroffenen Familien, sowohl mit seelsorgerlichem als auch wirtschaftlichem Rat zu helfen. Er wurde auch regelmässig als Vermittler in Familienkonflikte herangezogen.

Im Frühjahr 1939 verbrachte der Älteste Christian →Schnebele (Thomashof bei Karlsruhe) einige Urlaubstage auf dem Hof Geisers in La Chaux-d’Abel. Gleichzeitig war auch Emile Kremer aus Frankreich auf dem Hof zu Gast. Zwischen Christian Schnebele, Emile Kremer und David kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung über die Ideologie des Nationalsozialismus. Christian Schnebele war der festen Überzeugung, dass der Führer ein Gottgesandter sei und das Wohl des deutschen Volkes im Auge hatte (→Drittes Reich). David Geiser und Emile Kremer sollen Christian Schnebele angefleht haben, diesen Irrweg zu verlassen. Nach dem Krieg wurde David Geiser wieder eingeladen, Bibelvorträge auf dem Thomashof zu halten.

Trotz seiner Beliebtheit galt er auch als ernster und eigensinniger Prediger. Er starb unerwartet am 23. November 1948 und wurde am 27. November auf dem Friedhof in La Ferrière beigesetzt.

Bibliografie

Charly et Claire-Lise Ummel, L’Eglise anabaptiste en pays neuchâteloise, in: Mennonitica Helvetica17, 1994, S. 91-105, 156, 163-164. - Ernst O., Loosli, Die Schule La Chaux-d’Abel, in: Mennonitica Helvetica 21/22, 1998/1999, S. 119-121. - Ernst, Müller, Geschichte der Bernischen Täufer, Frauenfeld 1895. - Samuel H. Geiser, Die Taufgesinnten Gemeinden in der Schweiz, 2. Aufl., Courgenay 1971, S. 564-565 und S. 569. -Samuel Geiser-Nussbaumer, Les Fontaines, Unsere heimgegangenen Prediger der letzten 75 Jahre (Fotokopierte Ausgabe o. J. - Ulrich J. Gerber, Die Erweckungszeit um 1900 und ihre Auswirkung, in: Mennonitica Helvetica 37, 2014, S. 121-123. - Daniel Geiser-Oppliger, Nationalsozialismus und Widerstand, in: Marion Kobelt-Groch, Astrid von Schlachta (Hg.), Mennoniten in der NS-Zeit. Nationalsozialismus und Widerstand, Bolanden, Weierhof 2017, S. 265 - 268. - Konsultation der Protokolle der Mitgliederversammlungen der Konferenz der altevangelischen Taufgesinnten und SMK von 1898 - 1947 (Archiv, Jeangisboden). - Yvonne Zbinden und Dora Wenger, Ces paysans mennonites qui fondent uns église au Pays de Gex, Privatdruck 2008, S. 99 f. - Der Zionspilger von 1922 - 1948.

Daniel Geiser-Oppliger

 
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