Nussbaumer, Hans

geb. am 29. Januar 1898 auf dem Hof „Sous la Côte“, Montfaucon (Berner Jura), Schweiz, gest. am 27. November 1998 in Altkirch (Haut-Rhin), Frankreich; Landwirt und Ältester.

Hans Nussbaumer, Sohn von Samuel und Elise Nussbaumer-Scheidegger, besuchte die Volksschule in Tramelan, später die kantonale Landwirtschaftsschule in Liestal. Am 2. November 1923 heiratete er Elisabeth Wüthrich von Haagen im Wiesental. Seine Frau starb am 16. Februar 1941 und hinterließ fünf Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Die älteste Tochter Esther starb im darauf folgenden Jahr. Sie war elf Jahre alt. Am 18. Juni 1943 heiratete er Jeanne Peterschmitt aus Nambsheim (Haut-Rhin), Frankreich. Ihr erstes gemeinsames Kind starb als Säugling, im Laufe der Jahre wurden fünf weitere Kinder geboren.

Nach Abschluss der Landwirtschaftsschule fand er eine Stelle als Verwalter auf dem Gut Schoppenwihr bei Colmar (Haut-Rhin), das im Besitz der Baronin von Berckheim war (180 Hektar). Nach der Kriegserklärung ernannte ihn die deutsche Verwaltung aufgrund seiner schweizerischen Nationalität zum «Kommisarischen Verwalter des von Berckheim’schen Land- und Forstwirtschaftlichen Besitzes». Im Dezember 1941 übernahm die deutsche Wehrmacht ganz die Verwaltung der Domäne. Im Februar 1942 bot sie ihm die Verwaltung des Schweighofs in Altkirch (Haut-Rhin) an, ein Gut unter Zwangsverwaltung, das als „Volks- und Reichsfeindliches Vermögen“, „Staatliches Gestüt Schweighof. Lehrerbetrieb“ eingestuft war. Das Gut entwickelte sich zum landwirtschaftlichen Vorbild und wurde mit fachlicher Kompetenz geführt. 1954 kaufte Hans Nussbaumer den Besitz mit 200 Hektar. Er war Vorsitzender etlicher landwirtschaftlicher Einrichtungen des Départements Haut-Rhin (Oberrhein) und verwaltete einige weitere. 1971 zog er sich zurück und überließ den Hof drei seiner Söhne.

Hans Nussbaumer wurde am 11. Mai 1913 in der Gemeinde Schänzli-Muttenz bei Basel (Schweiz) getauft. In den Wintermonaten des Jahres 1920/21 nahm er an den Kursen der Bibelschule Sankt-Chrischona (bei Basel) teil. Am 26. August 1923 wurde er als Prediger in der Gemeinde Colmar eingesetzt, 1927 als Ältester derselben Gemeinde. Er ist als solcher bis zu seinem Wegzug 1942 tätig.

Zwischen ihm und dem anderen Ältesten ⇒ Emile Krémer kam es in den Jahren von 1932 bis 1936 wegen Glaubensauffassungen zu Meinungsverschiedenheiten. Emile Krémer war eher pfingstlerisch eingestellt und hatte ein anderes Verständnis von Taufe, von deren Wesen und Form. Er dachte anders über die Heiligung und die Gabe des Heiligen Geistes sowie die Heilung durch Gebet und Glauben.

1935 wurde Hans Nussbaumer als Ältester auch in der Gemeinde Schänzli-Muttenz bei Basel (Schweiz) eingesetzt, in dessen Gemeindekomitee er bis 1950 aktiv blieb. Als er 1942 nach Altkirch kam, übernahm er sofort den Ältestendienst in der Gemeinde Altkirch-Birkenhof und blieb bis 1986 im Amt.

Ab 1934 war er Schriftführer der mennonitischen Konferenz Elsaß-Lothringen und deren Vorsitzender von 1963 bis 1972. Vier Jahre nach dem Krieg organisierte er die erste biblische Freizeit in Altkirch. Er war eine der treibenden Kräfte bei der Gründung der Europäischen Mennonitischen Bibelschule 1950 in Basel, deren Vorsitzender er fünfzehn Jahre lang war. Im Mai 1957 konnte er die „Brüder“ überzeugen, das leer stehende Hotel auf dem →Bienenberg als Dauersitz der Bibelschule zu kaufen.

Ebenfalls auf seine Initiative wurde 1950 die Association Fraternelle Mennonite gegründet, die das Anwesen in Valdoie (Territoire de Belfort, Frankeich) kaufte, um dort ein Kinderheim für Problemkinder und ein Altenheim einzurichten. In ähnlichem Sinne regte er die französischen Mennoniten an, das Anwesen auf dem Mont-des-Oiseaux (Vogelsberg) bei Wissembourg (Bas-Rhin) zu erwerben, um dort die vom →Mennonite Central Committee angfeangene Arbeit weiterzuführen, zuerst noch als Waisenheim und dann als Anstalt für geistig behinderte Kinder.

Er legte Wert darauf, dass in den mennonitischen Gemeinden der Glaube konkrete Formen in sozialen Einrichtungen annahm. Immer wieder bedauerte er, dass bis dahin „in der Öffentlichkeit, die Mennoniten nur Kapellen und Scheunen errichtet hatten“. Die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zeigen, dass seine Vision und sein Engagement zukunftsorientiert waren und weiterhin Früchte trugen. Glaube und Nachfolge Christi zeigen sich in den Werken, in der brüderlichen Unterstützung, im Nonkonformismus und in Aufrichtigkeit, pflegte er zu sagen und vorzuleben.

1973 zog er sich von allen Aktivitäten zurück.

Literatur

Jean-Pierre Nussbaumer, Histoire de Jean Nussbaumer. De la naissance à 1945, non publié, Mai 2007. - Jean Séguy, Les Assemblées Anabaptistes Mennonites de France, Paris, 1978, 672 ; 695 ; 699-700; 749-750. - A. N. (André Nussbaumer, Dürmenach), in. Christ Seul, 1, 1987, 27 f.

André Nussbaumer

 
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