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Gerber, Samuel

geb. am 9. Juli 1920 in Montfaucon,Schweiz, gest. am 9. Juni 2006 in Muttenz, Schweiz; langjähriger Leiter der Europäischen Mennonitischen Bibelschule Bienenberg in Liestal, Schweiz, und Ältester der Mennonitengemeinde Basel-Schänzli.

Samuel Gerber ist als zweites Kind von Samuel Gerber, Landwirt und Ältester der Gemeinde Sonnenberg, und Marianne Geiser auf dem elterlichen Hof in La Pâturatte im Berner Jura aufgewachsen. Sieben Schuljahre absolvierte er in der deutschsprachigen Täuferschule, die sein Vater auf dem Hof eingerichtet hatte. Danach besuchte er noch ein Jahr lang die französische Schule im Nachbardorf. Nach zwei Jahren Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof ließ er sich von 1937 bis 1941 in Bern zum Grundschullehrer ausbilden und übernahm in der Folge während 16 Jahren die Leitung der Gesamtschule auf La Pâturatte. In all diesen Jahren war er auch als Chorleiter in seiner Gemeinde tätig.

Im August 1945 heiratete er Irma Oester aus Frutigen, die ihm bis zu seinem Tod eine verlässliche Stütze und liebevoll-kritische Begleiterin blieb. Dem Ehepaar wurden zwischen 1948 und 1956 fünf Kinder geschenkt.

1952 wählte die Sonnenberg-Gemeinde Samuel Gerber zum Prediger. Um sich theologisch aus- und weiterzubilden, fuhr er über mehrere Jahre hin regelmässig an die Universität Basel, um dort Kurse und Vorlesungen zu besuchen.

Als er 1957 mit der Leitung der Europäischen Mennonitischen Bibelschule →Bienenberg bei Liestal betraut wurde, begründete er eine Phase des kontinuierlichen Auf- und Ausbaus dieses in der Folge weit über mennonitische Kreise hinaus wirkenden Ausbildungs- und Tagungszentrums. Seine christuszentrierte Verkündigung, seine Liebe zur Gemeinde, seine prophetische Sicht und ebenso sein seelsorgerlich-wegweisendes Beraten versuchten täuferische und pietistisch-erweckliche Elemente miteinander zu verbinden und übten sowohl auf zahlreiche Einzelpersonen als auch auf viele kirchliche Gemeinden einen nachhaltigen Einfluss aus. Dies war vor allem, aber nicht nur auf dem Bienenberg so, dessen innovativer, vielseitiger und nahezu unermüdlicher Leiter „Onkel Sami“ bis 1983 war. Das gilt ebenfalls für die Schänzli-Gemeinde in Muttenz bei Basel, wo er seit 1959 Ältester war, das gilt überdies auch für den Bereich täuferisch-mennonitischer Gemeinden und Konferenzen in der Schweiz, in Frankreich und in Süddeutschland, und das gilt weit darüber hinaus im grossen Kreis derer, die seine Vorträge hörten, seine Radiopredigten empfingen oder Bücher von ihm lasen. Nach seiner Pensionierung von 1983 und solange seine Gesundheit es zuliess, wurden seine Dienste in der Folge auch gern von mennonitischen Kirchen in Südamerika und Afrika in Anspruch genommen.

Samuel Gerber zählte nicht zu den „Stillen im Lande“. Vielmehr setzte er sich pointiert ein für das, was er im Sinne von geistlicher Erneuerung und gemeindlicher Veränderung im Hinblick auf ein glaubwürdigeres Zeugnis für das Reich Gottes in dieser Welt als notwendig ansah. Motiviert durch zahlreiche Kontakte mit nordamerikanischen Mennoniten (Harold S. Bender, ⇒ Cornelius Wall, ⇒ Peter J. Dyck, ⇒ John Howard Yoder etc.) rief er dabei auch immer wieder manche ursprünglichen täuferischen Anliegen in Erinnerung wie die Zentralität der Gemeinde, Busse und Umkehr des Lebens, konsequente Nachfolge Jesu, missionarisches und sozial-diakonisches Engagement und das Friedenszeugnis.

Samuel Gerber war einerseits ein bisweilen unbequemer und polarisierender, aber manchmal auch notwendiger Mahner, der zurechtwies, der Grenzen zog und dabei auch gelegentlich verletzend wirken konnte. Damit hat er sich nicht nur Freunde geschaffen. Er war andererseits aber auch einer, der sowohl innerhalb des europäischen und weltweiten Täufertums als auch im Rahmen seines Engagements in überdenominationellen Gremien (Evangelische Allianz, Dachverbände theologischer Ausbildungsstätten etc.) Brücken schlagen konnte. In grosser Offenheit überschritt er immer wieder Grenzen und hatte meist keine Berührungsängste, wenn es galt, sich Menschen und Themen zu stellen, um die andere lieber einen Bogen machten.

Schriften

Samuel Gerber, The Mennonites of Switzerland and France, 1936-1948, and the present outlook, in: Mennonite Quarterly Review 24, 1950, 118-123. - Gemeindezucht, Liestal 1972 (franz. Übersetzung: La discipline de l’Eglise, in: Cahier de Christ Seul 1/1990. - Wir Christen und das liebe Geld, Basel 1979 (franz. Übersetzung: Le chrétien et l’argent, in: Cahier de Christ Seul 1/1992). - Sterben will gelernt sein, Basel 1982 (franz. Übersetzung: Mourir s’apprend, Bâle 1984. - Müdigkeit überwinden, Asslar 1985. - Mit Freuden Wasser schöpfen. Europäische Mennonitische Bibelschule 1950-1990, Liestal 1990. - Die Täuferschule La Pâturatte, in: Mennonitica Helvetica 21/22 (1998/1999), 205-241. - Ferner liegen von Samuel Gerber zahlreiche kürzere Beiträge in deutsch- und französischsprachigen mennonitischen Kirchenblättern (z.B. „Zionspilger“, „Christ Seul“ etc.) sowie eine grosse Anzahl gedruckter Radiopredigten vor.

Nachrufe

In: Christ Seul 8/9, 2006, 35 (Marie-Noelle von der Recke). - In: Die Brücke 6/2006,44 (Hanspeter Jecker).

Hanspeter Jecker

 
www.mennlex.de - MennLex V :: art/gerber_samuel.txt · Zuletzt geändert: 2013/03/05 22:02 (Externe Bearbeitung)     Nach oben
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