Lateinamerika

1. Erste Missionsbemühungen und Ankunft mennonitischer Siedler (1911-1958)

Die Anfänge mennonitischer Präsenz in Lateinamerika gehen auf die missionarische Erkundungsreise des Missionars Josephus Wenger Sank 1911 im Auftrag des Mennonite Board of Missions and Charities (Elkhart, Indiana) durch Bolivien, Uruguay und Argentinien zurück. Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges konnten die Missionare Josephus W. und Emma Sank, Tobías K. und Mae Hershey ihren Dienst aber erst 1917 in Argentinien aufnehmen, so dass die erste Mennonitengemeinde im Dorf Pehuajó nicht früher als 1919 entstand. Einheimische Führungspersönlichkeiten wie Albano Luayza, sein Sohn Benjamín H. Luayza und die Schwester Felisa Cavadora waren aktiv an der Entstehung von Gemeinden beteiligt und verkündeten eine Friedensbotschaft, die sich kritisch mit dem spanischen Bürgerkrieg und den faschistischen Tendenzen auseinandersetzte, als diese sich in den 1930er Jahren in Argentinien verbreiteten. Eingeleitet wurde die missionarische Arbeit unter den Tobas 1943 vom Missionskomitee der Iglesia Evangélica Menonita de Argentina (→Argentinien) und führte zu der großen Unterstützung der Initiative, die Bibel in die Tobas-Sprache zu übersetzten. 1958 gab es vierzehn Gemeinden in verschiedenen argentinischen Städten.

Verbreitet wurde der Glauben der Mennoniten in Lateinamerika zunächst vor allem von Migrationsbewegungen mennonitischer Siedler. Zwischen 1922 und 1926 kamen die so genannten Old Colony Mennoniten, die russischen Ursprungs waren, aus Manitoba und Saskatchewan (Kanada) mit ca. 6000 Personen in San Antonio de los Arenales (Mexiko) an und gründeten dort ihre Siedlungen. Weitere 1763 Siedler zogen zwischen 1926 und 1927 von Kanada nach →Paraguay und gründeten die Kolonie Menno unter der Führung des Ältesten Martin C. →Friesen. Auch die Kolonie Fernheim entstand im paraguayischen Chaco mit 2000 Siedlern: aus der Molotschna in Russland (1930-32), vom Amur, aus Omsk, Orenburg und der Bernaul Region, aus einer Provinz in der Nähe von Harbin in China (1932) und aus Polen. Die Kolonie Fernheim bestand aus Angehörigen der Mennoniten, der →Mennoniten-Brüdergemeinden und der evangelischen Mennoniten-Brüder (Allianzgemeinde). Die Kolonie Friesland entstand aus einer Abtrennung der Kolonie Fernheim und richtete sich 1937 im Osten Paraguays ein. Aus Filadelfia, dem Zentrum Fernheims, begann 1937 eine missionarische Arbeit unter dem Volk der Enthlet, aus der eine neue indigene mennonitische kirchliche Organisation in Yalve Sanga (Lago Armadillo) erwuchs.

Nach →Brasilien kamen in den Jahren 1930 und 1931 insgesamt 1256 deutschstämmige Einwanderer aus Russland. Drei Jahre später, nachdem die letzten Mennoniten aus Russland und der Mandschurei (China) angekommen waren, waren alle Kolonien im Kraueltal (Witmarsum, Waldheim und Gnadental) gegründet, wie auch die Kolonie Stoltz-Plateau im Bundesland Santa Catarina.

Im Oktober 1948 erreichten 751 westpreußische und polnische Mitglieder der Brüdergemeinde in einem Schiff, das von Bremerhaven aus in See gestochen war, den Hafen von Montevideo in →Uruguay. Bald darauf wurde El Ombú gegründet, die erste Kolonie in Uruguay. Weitere 430 Menschen aus Danzig (nun Polen) und Russland gründeten 1951 die Kolonie Gartental. Einige Familien dieser Kolonie gründeten 1955 die Kolonie Delta. Der hohe logistische und personelle Aufwand bei der Umsiedlung dieser Mennoniten wurde vom →Mennonite Central Committee (MCC) getragen. Mit der Umsiedlung entwickelte sich die Arbeit des Mennonite Board of Mission and Charities unter der uruguayischen Bevölkerung, und 1960 entstand das Seminario Evangélico Menonita Teológico (SEMT) in Montevideo.

In Kolumbien gibt es Mennoniten seit 1943. In diesem Jahr sandte der Missionsverband der General Conference Church aus den USA die Missionare William C. Voth und Gerald Stucky aus, um die Möglichkeit einer missionarischen Arbeit unter den Hispanoamerikanern zu prüfen. Diese konkretisierte sich 1947, als eine kleine Schule in Cachipay, Anolaima (ca. 80 km westlich von Bogotá) durch den Einsatz von Gerald Stucky und seine Frau Mary Hope sowie von Janet Soldner und Mary Becker entstand. In der Anden-Region zeigte sich der missionarische Beitrag der Mennoniten in der Arbeit an einer Bibelübersetzung unter dem seminomadischen Volk der Ashaninca durch Sylvester und Mattie Dirks mit Wycliffe Bible Translators im Jahre 1946.

Die mennonitische Präsenz in Bolivien ging auf Familien aus der Kolonie Fernheim zurück, die sich 1954 auf den Weg machten und in Las Palmas, Provinz Santa Cruz, niederließen.

2. Verbreitung der Mennoniten in Lateinamerika (1959-1979)

Die Konsolidierung und Verbreitung der Mennoniten in Lateinamerika während der 1960er und 1970er Jahre ist einerseits der missionarischen Tätigkeit und anderseits der stetigen Migration der mennonitischen Siedler zu verdanken.

a) Die Region Cono Sur

Die mennonitischen Kolonien im paraguayischen Chaco schafften es nach langwierigem und mühsamem Anlauf, zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor im Land zu werden, besonders durch den Vertrieb von Rindfleisch und Milchprodukten. In ihren Gottesdiensten ist das deutsche Erbe immer noch klar erkennbar, was sich in Liturgie, Organisation, Sprache und Traditionen widerspiegelt. Aber sowohl in Paraguay wie auch in Brasilien ist eine neue Generation nachgewachsen, die sich mehr und mehr für ihr Umfeld und eine stärkere kulturelle und geistliche Interaktion mit den Einheimischen öffnet. Das zeigt sich in neuen Modellen der Missionsarbeit, auch darin, dass heute in einer Kirche zuweilen sowohl deutsche als auch spanische bzw. portugiesische Gottesdienste stattfinden und auch zweisprachig gesungen wird.

Von der langjährigen Erfahrung der deutschstämmigen Mennoniten in der Landwirtschaft des heißen Chaco haben die einheimischen Bauern profitiert. Teilweise haben sie auch deren Glauben übernommen. Inzwischen gibt es einheimische Gemeinden, in denen in lokalen Sprachen wie Enlhet, Sanapaná, Nivaclé oder Toba die Bibel gelesen und geistliche Lieder gesungen werden.

b) Die Anden-Region

Zwischen 1961 und 1983 wurden insgesamt 14 mennonitische Kolonien in Bolivien gegründet, die ihren Ursprung in Paraguay, Mexico, Belize und Kanada hatten. Mit der Arbeit des MCC in den ländlichen Bezirken von Santa Cruz Ende der 1950er Jahre wurde auch die missionarische Arbeit unter der Leitung von Nelson Litwiller organisiert. Die General Conference Commission on Overseas Mission in Newton (Kansas), das Mennonite Board of Missions in Elkhart (Indiana) und der mennonitische Gemeindeverband in Argentinien arbeiteten zusammen, und die argentinischen Mennoniten José und Soledad Godoy nahmen 1971 ihre missionarische Arbeit in Las Palmas auf, so dass 1973 die Iglesia Evangélica Menonita Boliviana gegründet werden konnte. Mit Hilfe der Evangelical Mennonite Mission Conference aus Kanada war 1969 die Missionsarbeit in Zafranilla entstanden, wo 1974 die erste Gemeinde der Iglesia Evangélica Anabautista de Bolivia ins Leben gerufen wurde.

c) Die Karibik

1943 begann das MCC damit, Militärdienstverweigerer in Castañer, La Plata und Zalduondo (Puerto Rico) in kommunalen und landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekten einzusetzen. So war noch in demselben Jahr eine kleine Klinik in La Plata eröffnet, die bis 1945 medizinische Hilfe in Toita, Buena Vista Rincón und Pulguillas anbot, und bald die erste Mennonitengemeinde in La Plata gegründet worden.

Vom Missionarsehepaar Tobias K. und Mae Hershey wurde hier das Radioprogramm Luz y Verdad (Licht und Wahrheit) zur Verbreitung des Evangeliums eingerichtet. Marta Quiroga de Álvarez, Ehefrau eines mennonitischen Pastors in Argentinien, übernahm ab 1965 die Sendung Corazón a corazón („Von Herz zu Herz“), das eine große Verbreitung in Puerto Rico und anderen lateinamerikanischen Ländern fand. Die ursprünglichen Sendungen von Luz y Verdad wurden von Junta Latinoamericano de Audiciones Menonitas (JELAM) aufgegriffen. Ihr erster Exekutivdirektor war der kolumbianische Mennonitenpastor Armando Hernández (1972). Im Jahr 1980 zählten 17 Gemeinden zur mennonitischen Kirchenkonferenz von Puerto Rico.

Die Evangelical Mennonite Church aus den USA war die Erste, die sich für die Dominikanische Republik interessierte, sie sandte die Missionarin Lucille Rupp nach Dajabón an der Grenze zu Haití. 1969 zählte die Organisation Sureña Evangelical Church 456 Mitglieder in 13 Gemeinden.

Die Ankunft des Virginia Mennonite Board of Missions and Charities während der 1950er Jahre in Jamaika traf zeitlich mit einer neuen Ära des Landes zusammen. Es war die Zeit, in der die britische Anwesenheit in der Wirtschaft abnahm und der US-amerikanische Einfluss in allen Bereichen der Gesellschaft zunahm. Die erste Gemeinde besteht seit 1954 in der Stadt Constant Spring und ist unter dem Namen Good Tidings bekannt. 1958 wurde Peggy Memorial Home gegründet (existierte bis 1975), welches sich um Mädchen mit familiären oder finanziellen Problemen kümmerte. Im Februar 1970 wurde die Jamaica Mennonite Church, Ltd. Gegründet.

Die Brethren in Christ kamen zum Evangelisieren erstmals 1950 nach La Habana, Cuba, gemeinsam mit Quäkern und Nazarenern. 1954 sandte das Mennonite Board of Missions and Charities of Franconia (USA) die Missionare Henry Paul Yoder und seine Familie aus, um eine Gemeinde im ländlichen Gebiet von Las Villas im Dorf Rancho Veloz zu gründen. Durch die Revolution Fidel Castros gegen die Diktatur von Fulgencio Batista im Jahr 1959 und die damit verbundene sozialistische Radikalisierung erfolgte ein großflächiger Rückzug von nordamerikanischen Missionaren in den darauf folgenden Jahren. Deshalb mussten auch Betty und Aaron King die Arbeit in Rancho Veloz aufgeben. Obwohl von den Mennoniten in dieser Zeit keine Gemeinden gegründet wurden, blieb das begonnene Werk jedoch unter den Familien von Rancho Veloz, Corralillo, Sagua la Grande und San Vicente en las Villas am Leben. Während der Jahre der Revolution war die Leitung von Juana M. García von großer Bedeutung, um die kirchliche Arbeit aufrecht zu erhalten, die von den Brethren in Christ im Dorf Cuatro Caminos in La Habana begonnen worden war.

Die verheerenden Folgen des Orkans Hazel im Jahre 1957 veranlassten das MCC, Jugendliche auf die Insel Haiti zu schicken, um die Arbeit in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung zu unterstützen. Die Orkane Flora (1964) und Inez (1966) vergrößerten die Schäden unter einem von Armut ohnehin schon geplagten Land. Während dieser Jahre bemühte sich das MCC, den am schlimmsten betroffenen Familien zu helfen. In diesen Jahren ließ sich auch Mennonite Gospel of Haiti auf der Insel nieder, aus der später die Misión Evangelique La Redemption d`Haiti wurde, unterstützt von Bethel Mission Board aus Indiana. Auch Eastern Mennonite Missions interessierte sich für die Arbeit in Haiti und gründete 1966 die École Biblique par Extensión (EBEX), durch welche Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden des Landes Zugang zu theologischer Ausbildung erhielten. Andere engagierte Missionsgesellschaften waren: Église de Dieu en Christ, welche 1963 mit ihrer Arbeit begann, Son Light Mission aus Viriginia, welche 1970 eine Arbeit in Miragoane begann, International Fellowship Haven, welche zwischen 1972 und 1993 unter der Leitung von Joe und Mattie Miller ein Netz von 39 kleinen Gemeinden gründete, Comunión Mennonita de Haití, eine weitere unabhängige mennonitische Organisation, welche in den 70er Jahren eine missionarische Arbeit in der Region von Mirogoane startete, und die Blue Ridge Intentational for Christ, die 1977 im Vorort Sarthe in Port-au-Prince ein Kinderheim errichtete.

Im Jahr 1958 kamen die ersten mennonitischen Siedler aus Mexiko nach Belize und ließen sich in Blue Creek, Shipyard und Spanish Lookout nieder. Im April 1959 besuchte Orie O. →Miller, Direktor des MCC, das Land, und man entschloss sich, die ersten Siedler in ihrer landwirtschaftlichen und kommunalen Entwicklung zu unterstützen. Eastern Mennonite Board of Missions sandte in den 1960er Jahren die Missionare Dora Taylor und Ada Smoker aus, die in einer Klinik in Orange Walk arbeiteten. Aus diesem Einsatz entstand eine Mennonitengemeinde. Im Jahr 1971, als schon acht Gemeinden existierten, wurde die Konferenz der Mennoniten in Belize gegründet, zu welcher 1987 insgesamt 14 Gemeinden gehörten. Eine andere Organisation, die eine missionarische Arbeit in Belize aufnahm, war das Amish Mennonite Aid (AMA), das den vom Orkan Hattie (1962) betroffenen Familien half. Im Jahr 1965 kamen auch Amische Siedler aus den USA und ließen sich im Distrikt Cayo nieder. Eine weitere kleine missionarische Organisation, bekannt unter dem Namen Caribbean Light and Truth, sandte mit Unterstützung von Mennoniten aus Iowa erste Missionare im Jahre 1974 dorthin.

In Trinidad und Tobago begann im Jahr 1971 die Arbeit der Missionare Richard und Martha Keeler, die in einem Regierungsprogramm zur Behandlung von Leprakranken mitarbeiteten. Die guten Ergebnisse in den Krankenhäusern ermöglichten es, die Krankheit am Ende jenes Jahrzehnts dort auszulöschen. In dieser Zeit entstanden auch drei Mennonitengemeinden. Auf der Insel von Grenada wurde die mennonitische Präsenz durch das MCC im Bereich der Landwirtschaftshilfe möglich. Auf den Islas Vírgenes begann die Arbeit durch die Eastern Mennonite Board of Missions und die Aussendung der Missionarin Rhoda Wenger (1977) und Catherine Leatherman (1978). Das Virginia Mission Board sandte 1967 Roy Kiser nach Britisch-Guyana, um die Möglichkeit der Gemeindegründung zu erkunden. Danach wurde eine gemeinsame Aktion mit der mennonitischen Kirche in Jamaika durchgeführt, in der 120.000 Traktate und Bibeln an der ganzen Küstenregion verteilt wurden.

d) Mittelamerika

Unter Mittelamerika ist das Gebiet zwischen Mexiko und der Dominikanischen Republik zu verstehen. Die Eröffnung der Missionsfelder in Nuevo Ideal und San Miguel in Durango sowie Días Ordaz und Los Ebanos in der Stadt Reynosa in den 1960er Jahren führte später zur Latin American Conference of Mennonite Brethren. Außerdem begann die Evangelical Mennonite Conference eine Arbeit unter spanischsprechenden Menschen und gründete 1961 eine Gemeinde in La Norteña. Eine weitere nordamerikanische Missionsgesellschaft war Franconia Mission Board, die sich 1958 auf die Zentralregion konzentrierte und eine Gemeinde in der Kolonie San Juan in Mexiko-City gründete, wo der Arzt Gillermo Zúñiga eine wichtig Führungsrolle übernahm. Ein weiterer Beitrag dieser Gesellschaft war die Übersetzung des Neuen Testaments in die Triquie-Sprache in Oaxaca. Die vierte Missionsorganisation war die Pacific Coast Conference, die 1960 ebenfalls in der Stadt Obregón zu wirken begann und sich später bis nach Sinaloa ausweitete. 1980 zählten alle Konferenzen gemeinsam etwa 200 getaufte Mitglieder.

Nach einer Rundfahrt durch die Bananenplantagen an der atlantischen Küste von Honduras entschied das Eastern Mennonite Board of Missions and Charities im Jahr 1950, eine erste Missionsreise mit George und Grace Miller zu unternehmen. In der Stadt Trujillo wurde die erste Kirche erbaut, in der sich schon 1953 insgesamt 74 Menschen zum englischen Gottesdienst versammelten. Der Laie Arthur July (afrikanischer Abstammung) war einer der hervorragendsten Evangelisten des Ortes. Der erste lokale Pastor wurde Rafael Ramos im Jahr 1970. In einer Zeit, in der die Armut groß war und sich die tropischen Krankheiten immer weiter ausbreiteten, konnte die Krankenschwester Dora Taylor aus den USA dort vielen helfen. 1969 schlossen sich die Gemeinden offiziell unter dem Namen Iglesia Evangélica Menonita de Honduras zusammen. Eine weitere kirchliche Organisation ist Amor Viviente, welche aus der Arbeit unter drogenabhängigen Jugendlichen entstand. Sie wurde von den Pastoren Edward und Gloria King in den 1960er Jahren initiiert. Um 1983 hatte sich diese Organisation bis in die Städte von Puerto Cortés, Tegucigalpa, Danlí und Choluteca erweitert und zählte insgesamt 2.500 Mitglieder in 15 Gemeinden. 1968 kamen Familien der Old Order Amish aus Aylmer, Ontario, nach Guaimaca im Bundesland Choluteca. Sie kauften einige Grundstücke und errichteten ein Waisenhaus, um armen Kindern aus Honduras zu helfen.

Der Kontakt der Mennoniten zur Bevölkerung aus Panama erfolgte 1959, als David Wirsche und Jakob Loewen die Bibelübersetzung unter den Embera und Wounaan an der kolumbianischen Grenze fortsetzten. Aureliano Sabugara war einer der wichtigsten indigenen Mitarbeiter, nicht nur für die Übersetzung des Markusevangeliums und der Apostelgeschichte, sondern auch als Prediger des Evangeliums unter seinem Volk. Im Jahr 1973 zählte die Mennonite Brethren Church von Panama insgesamt 481 Mitglieder, von denen etwa 300 der Wounaan Bevölkerung angehörten.

In Costa Rica nahm 1961 die Conservative Mennonite Conference (heute: Rosedale Mission, Ohio) ihre missionarische Arbeit mit den Missionaren Susie und Raymond Schlabach sowie Elmer und Eileen Lehman auf. Ehepaar Schlabach ließ sich in Talamanca (Karibik) mit der Absicht nieder, das Evangelium in die Bri-Brí Sprache zu übersetzen. Ehepaar Lehman zog nach Heredia (Meseta Central), um unter der Spanisch sprechenden Bevölkerung zu evangelisieren. Die ersten lokalen Pastoren in der Stadt Heredia waren Jovita und Eladio Corrales. Henry und Esther Helmuth brachten die Arbeit von Mennonite Voluntary Service voran und unterstützten die pastorale Arbeit in Sarapiquí und in San José. Im Jahr 1974 wurde die Convención de Iglesias Menonitas de Costa Rica gegründet. Heute zählt diese Organisation 23 Gemeinden und 5 Missionsfelder unter der Leitung von Sandra Campos. Seit 1968 kamen auch mennonitische Migranten nach Costa Rica, von denen sich die ersten Familien unterhalb des Vulkans Arenal niederließen. Nach dessen Ausbruch im Jahr 1969 zerstreuten sich die Familien in verschiedene Städte und Dörfer wie Upala, Grecia, San Carlos, Guatuso, Los Chiles, Coto Brus, Sarapiquí und Pérez Zeledón.

Norman D. Beachey, Mitglied der Amish Mennonite Aid (AMA) reiste 1961 gemeinsam mit Orie Miller nach El Salvador. Im Gespräch mit Leitern des landwirtschaftlichen Instituts für Kolonisierung, das der Regierung von El Salvador unterstand, initiierte AMA im Jahr 1962 Projekte für landwirtschaftliche und kommunale Entwicklung in Sitio del Niño. 1970 wurden 40 Hektar Land in der Nähe von Aguilares gekauft, um ein Waisenhaus zu errichten. Dieses öffnete 1974 und nahm 17 Kinder aus armen Verhältnissen auf. Nordamerikanische Familien adoptierten mehrere dieser Kinder und unterstützen das Heim auch weiterhin. In Aguilares und Texistepeque zählten die Mennonitengemeinden in den 1970er Jahren durchschnittlich 350 Gottesdienstbesucher und organisierten sich unter dem Namen Mennonite Mission.

1964 entschloss sich die Conservative Mennonite Fellowship (CMF), in Chimaltenango Guatemala unter der Kek-chi sprechenden Bevölkerung zu missionieren. Diejenigen in Zaragoza, Las Lomas und El Tejar, welche die Botschaft der Missionare annahmen, ließen von ihren überlieferten Bräuchen ab und übernahmen die Sitten der mennonitischen Gemeinschaften. Im Dorf Palama wurde eine Klinik errichtet, um den Kranken zu helfen. Im Juni 1966 besuchten Orie Miller von Eastern Mennonite Mission (EMM) gemeinsam mit Earl Groff, Norman und Omar Martin (Washington-Franklin Mennonite Conference) die Region Kekchi de Alta Verapaz in Guatemala. Die ersten Kontakte mit der lokalen Bevölkerung erfolgten im Bereich der Landwirtschaft. Der junge Pablo Tzul Cacao, der 1971 in San Pedro, Carchá, den christlichen Glauben annahm, wurde später der größte Evangelist unter der Bevölkerung der Kekchi. Unzählige Menschen kamen durch seine Predigten zum Glauben, und er gründete viele Gemeinden in der Region der Kekchies. Während dieser Entwicklungen in Alta Verapaz evangelisierten Richard und Lois Landis in Guatemala-Stadt. Dort entstanden neue Gemeinden wie Puerta Estrecha, Roca de Salvación und Casa Horeb. Mario und Leonor Méndez verbindet eine lange mennonitische Laufbahn mit Casa Horeb. Leonor Méndez war Mitglied des Exekutivkomitees der Mennonitischen Weltkonferenz. Die ethnischen Unterschiede waren ein wichtiges Argument dafür, dass sich die genannte Missionsinitiative getrennt organisierte: Die Evangelical National Mennonite Church of Guatemala (Kek-chi) und die Iglesia Menonita de Guatemala (Spanisch). 1972 ließ sich auch die Mennonite Messianic Missions in Quetzaltenango nieder und gründete auf der Berghöhe eine Gemeinde. Dort werden die Sprachen Man, Spanisch und Englisch gesprochen. Die Church of God in Christ (Holdeman) begann ihre Arbeit in Guatemala im Jahr 1977 mit der Absicht, den Opfern der Erdbebenkatastrophe zu helfen. Vier Jahre später hatten sie schon zwei Gemeinden in der Nachbarschaft von El Golfo im Bundesland El Progreso gegründet.

Das erste täuferische Zeugnis in Nicaragua - dem Land der Seen - brachten 1966 die Missionare der Evangelical Mennonite Conference Board of Mission aus Kanada. Die Gemeinde breitete sich in La Paz de Carazo, in Las Cruces, und San José de las Gracias aus. Unter der Leitung der Familie Olfert wurden auch in Granada, Caloma und Managua (in der Nachbarschaft von Sandino) Gemeinden gegründet. Die Mennonite Conservative Conference (Ohio) begann ihrerseits ab 1968 mit Programmen zur Alphabetisierung, Kommunalentwicklung und Landwirtschaft unter der Leitung des nordamerikanischen Soziologen Vernon Jantzi. Später organisierten sich Glaubensgemeinschaften. Die General Conference of the Brethren in Christ (GCBC) begann 1972 in Esquipulas eine Missionsstation aufzubauen. Das Erdbeben, das Nicaragua 1972 erschütterte, war für unterschiedliche täuferische Organisationen der Anlass, Hilfs-, Entwicklungs- und Gesundheitsprogramme des Consejo de Iglesias Evangélicas de Nicaragua zu unterstützen.

3. Das Zeugnis der Mennonitengemeinden (1972-2011)

a) Neue Missionsansätze, Migration und Wachstum der Gemeinden (1979-2011)

Zwischen 1979 und 2009 wurden in mehreren Ländern Lateinamerikas neue täuferische bzw. mennonitische Gemeinden gegründet.

Ecuador

Missionare der Conferencia General de la Iglesia de los Hermanos Menonitas kamen nach Ecuador, um in der Radiostation Heralding Christ Jesus‘ Blessings (HCJB), auch bekannt als „Die Stimme der Anden“, deutschsprachige Sendungen zu produzieren. Jahre später, 1979, begann die Conferencia Menonita Conservadora (USA) gemeinsam mit der →Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) Missionsprojekte in Ecuador, indem sie in Gebieten, die von Armut oder Naturkatastrophen betroffen waren, Nahrungsmittel verteilten. Im November 1980 kam die Familie Elam Stauffer nach Guayaquil und gründete eine Gemeinde in Atarazana. 1987 entstand der Gemeindeverband Iglesia Evangélica Menonita Ecuatoriana. Das Missionskomitee der General Mennonite Conference (USA) begann 1992 mit der Aussendung von Mitarbeitern, um die Federación Ecuatoriana de Indígenas Evangélicos (FEINE) in der theologischen Ausbildung zu unterstützen. Die von Mauricio Schenlo und seiner Frau begonnene Arbeit wurde von César Moya, seiner Frau Patricia und seinen Kindern aus der Iglesia Evangélica Menonita de Colombia fortgeführt. Unter anderem wurde eine Gemeinde in Quito gegründet, die vor allem aus kolumbianischen Migranten bestand. Auf ökumenischer Ebene wurde eng mit dem lateinamerikanischen Rat der Kirchen zusammengearbeitet.

Venezuela

Die ersten Gemeinden wurden um 1980 im Auftrag der Junta Misionera Menonita del Este von Mitarbeitern aus Puerto Rico und Kolumbien in San Bernardino, Charallare und in Cua ins Leben gerufen.

Chile

Nach dem Regierungsumsturz in Chile 1973 emigrierten viele Chilenen nach Kanada. Unter ihnen war auch José Vallejos, der vor dem Sturz des Präsidenten Salvador Allende ein Mitarbeiter im Ministerium für Landwirtschaft war. In Edmonton (Kanada) gründete er eine Latinogemeinde innerhalb der Holyrood Mennonite Church. Anfang der 1980er Jahre versuchte das Mennonite Board of Missions den Kontakt zu elf Gemeinden aufzunehmen, die sich unter dem Namen Iglesia Evangélica misionera de Chile organisiert hatten. Es zeigten sich allerdings unüberwindliche Unterschiede, weshalb die Beziehung 1985 abgebrochen wurde. 1989 gründeten diese Gemeinden die Iglesia Menonita de Chile und frischten die Beziehung zu den chilenischen Mennoniten in Kanada wieder auf. Diese Konferenz besteht aus zwölf Gemeinden, ungefähr 900 getauften Mitgliedern und schließt Gemeinden in Argentinien und Paraguay mit ein. Zwei ihrer Gemeinden bestehen aus Familien des Mapuche-Volkes in La Araucanía und in Mañjuco. Die kirchliche Arbeit besteht aus Bibelarbeiten, Berufsausbildung, Musik- und Tanzunterricht. Diese Gemeinden wirken unter sehr armen Verhältnissen. Es wird mit Suchtkranken gearbeitet, von denen viele im Gefängnis waren oder auf der Straße lebten. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Hilfsprogramme für Kinder.

Die Arbeit von Titus Guenther und Karen Loewen, die von 1989 bis 1994 in Concepción, Chile, lebten und in der Kommission für Auslandsmission der Mennonite Church Canada arbeiteten, hinterließen in der Baptistengemeinde La Puerta del Rebaño in der Nähe von Concepción, die seit 1986 besteht, einen tiefen Eindruck. Das Programm Witness der Mennonite Church Canada und das Mennonite Mission Network unterstützte diese Gemeinde dabei, täuferische Kurse anzubieten. Beschrieben wurde diese Gemeinde von John Driver, einem nordamerikanischen Theologen, als radikale Gemeinschaft, die schrittweise eine Vielfalt evangelischer Einflüsse aufgenommen hatte und als Gemeinschaft ohne Hierarchie lebt. Diese Gemeinde hält außerdem Verbindung zur mennonitischen Mountain Community in Colorado, die Ähnlichkeiten aufweist, z. B. im Bereich des pastoralen Dienstes, in der Betonung des Friedenszeugnisses, der Nähe zur Universitätstheologie und mit dem Standort in einem kleinen Dorf spanischen Ursprungs.

Im Mai 1985 wurde das Centro Cristiano Menonita in Santiago eröffnet, das als Treffpunkt und Ausgabestelle für täuferische Literatur fungiert. Diese Initiative wurde durch die gemeinsame Arbeit der Unión de Iglesias Bautistas de Chile, des Mission Network und der Mennonite Church Canada getragen. Diese treiben seit 2007 das Centro Cristiano de Recursos para la paz (Christliches Tagungszentrum für den Frieden) voran.

Abschließend soll noch das Missionsprogramm aus Patagonien (Argentinien) erwähnt werden, das zur Gründung neuer Gemeinden in der chilenischen Provinz Valdivia betrug.

Paraguay

Die Entwicklung der Mission unter der indigenen Bevölkerung und den Paraguayern ging in Paraguay von einer evangelikalen Initiative des Comité Menonita de Acción Evangélica y Social en Paraguay (COMAESP) aus. 1986 wurden erste Gespräche geführt, die zur Gründung der Convención Evangélica Menonita Paraguaya (CONEMPAR) führten. Im Jahr 2000 zählte die CONEMPAR 890 Mitglieder in 19 Gemeinden. Die Gemeinden, die administrativ unter der COMAESP blieben, zählten 781 Mitglieder in 19 Gemeinden im Chaco, Cambyretá, Ciudad del Este und weiteren Orten der Umgebung.

Peru

Piura ist eine Küstenregion im Nordwesten Perus. Sie grenzt im Norden an die Region Tumbes und Ecuador, im Süden an die Region Lambayeque, im Osten an die Region Cajamarca und im Westen an den pazifischen Ozean. Die von einem wüstenähnlichen Klima geprägten Küsten wurden 1983 stark vom Naturphänomen „El Niño“ getroffen. So kam es, dass das MCC Freiwillige dorthin sandte, um den Bewohnern zu helfen, die ihre Ernten und Häuser verloren hatten und denen es sowohl an Nahrungsmitteln wie an medizinischer Hilfe fehlte. Später entstanden in dieser Gegend Mennonitengemeinden, und zwar in Sullana, Vichayal, El Indio und Chato Chico. Die offiziellen Gottesdienste begannen im Januar 1985. Am 13. Dezember 1995 vereinten sich die Gemeinden in der Konferenz Iglesia Hermanos Menonitas del Perú. Die Mennoniten-Brüdergemeinden begannen im Juli 1994 eine Missionsarbeit in der Stadt Trujillo und seit 2000 in Lima. In Lima wurde eine Gemeinde gegründet eine weitere Gemeinde in Cuzco, Perú Ende der 1970er Jahre durch den Eastern Mennonite Board of Missions and Charites aus Lancaster (USA). Die Arbeit fing in dem kleinen Dorf Lucre an. Die erste öffentliche Taufe im Fluss am 14. Oktober 1990 wurde durch Steinwürfe von Bewohnern unterbrochen. In anderen Orten wurde das Evangelium auf Quechua gepredigt, und es entstanden Gemeinden: San Jerónimo de Angostura, Huacarpay und im Dorf von San Francisco. Am 30. November 1999 wurde die Iglesia Evangélica Menonita del Perú gegründet.

Bolivien

Bolivien ist in den letzten zwei Jahrzehnten zum lateinamerikanischen Land mit der höchsten Migration konservativer Mennoniten deutschen Ursprungs geworden. Zwischen 1980 und 2007 bildeten sich insgesamt 53 neue Kolonien in den Provinzen Pando, Beni und Santa Cruz. Diese Kolonien entstanden aus Abspaltungen oder Aufteilungen schon bestehender mennonitischer Kolonien, entweder aus Bolivien selbst oder aus Belice, Paraguay, Mexico, Argentinien oder Kanada. Im Jahr 2007 zählten diese Kolonien insgesamt 30.618 Menschen (Erwachsene und Kinder).

Puerto Rico

Ein Grund für die Entstehung neuer Gemeinden in Lateinamerika ist die Spaltung von Konferenzen in den USA. Ein konkreter Fall ist die Southeastern Mennonite Conference, die 1972 gegründet wurde, nachdem sie sich von der Virginia Mennonite Conference abgelöst hatte. Diese neue Organisation sandte 1981 Missionare nach Añazco, Puerto Rico.

Kuba

Im August 2008 begann eine neue missionarische Arbeit der Mennoniten in Kuba, aus der die Iglesia Menonita de Cuba hervorging, allerdings noch nicht von der kubanischen Regierung anerkannt wurde. Sie war in verschiedenen Hauskreisen organisiert und zählte etwa 120 Mitglieder in den Provinzen Santiago de Cuba, Olguín, Gramma, Villa Clara und Cienfuegos.

b) Erneuerung des Geistes

Die Erneuerung des Geistes ist eine Bewegung, welche durch die Predigten charismatischer Prediger stark anwuchs. Seit Ende der 1960er Jahre drang diese Bewegung immer mehr in die Mennonitengemeinden Lateinamerikas ein. Die Merkmale der Bewegung sind Glaubenserweckung, Eifer für das christliche Zeugnis, charismatische Predigten, Zungengebet, innere Heilung, Erfahrung von Heilungen, Umkehr von Sünde, Dämonenaustreibung wie auch neue Ausdrucksformen der Liturgie, Gottesdienstgestaltung und der Musik.

Seit der Entstehung der ersten täuferischen Gemeinden in Europa im 16. Jahrhundert sind hier Theologie, Bibelauslegung und pastoraler Dienst ganz und gar pneumatologisch ausgerichtet. Eine der wichtigsten Aufgaben der heutigen Mennonitengemeinden in Lateinamerika wird es sein, dieses theologische Erbe in Bezug auf den Heiligen Geist wieder neu zu entdecken. Dabei sollte natürlich keinesfalls auf die Elemente verzichtet werden, die den Gemeinden ihre ganz eigene Identität gegeben haben: die kritische Haltung gegenüber dem Staat, Theologie und pastoraler Dienst, die vor allem die Armen berücksichtigt, eine kontextuelle Hermeneutik der Gewaltfreiheit, der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, wie auch eine große Toleranz gegenüber anderen religiösen Formen, um das Geheimnis Gottes zu verstehen.

c) Die prophetische Rolle der Gemeinden während der Revolution in Mittelamerika

Die Radikalisierung der Sandinistischen Revolution nach dem Sieg über das militärische Regime von Somoza im Juli 1979 eröffnete eine neue pastorale und theologische Dynamik beim Nachdenken über das Verhältnis von Mennoniten und Gesellschaft. Es gab keine einheitliche mennonitische Position gegenüber der Sandinistischen Revolution und dem Aufstand der mittelamerikanischen Völker Ende der 1980er Jahre; doch immer wieder gab es Momente, in denen die täuferische Perspektive der Gewaltfreiheit in die schwierigen sozio-politischen Kontext eingebracht wurde.

In der täuferischen Konsultation, die 1984 in Guatemala stattfand, rief der lokale Pastor Gilberto Flores Campos, protestierend und zu Tränen gerührt, die Mennonitengemeinden dazu auf, Frieden mit Gerechtigkeit in Verbindung zu bringen, die Realität wahrzunehmen, eine starke nationale Führung auszubilden und einen täuferischen Hirtenbrief für Mittelamerika zu verfassen. In dieser sozio-politischen Realität entstanden kirchliche Initiativen, um das täuferische Zeugnis zu kontextualisieren und in der Kirche umzusetzen. In diesen Ländern nahmen mehrere Gemeinden die pastorale Herausforderung an, setzten sich für den Wiederaufbau von Managua ein und betreuten in Honduras Migranten aus El Salvador sowie vom Bürgerkrieg betroffene Familien. Sie begleiteten Landwirtschafts- und Entwicklungsprojekte und gründeten das Institut Semilla, das als theologische Ausbildungsstätte von Pastoren dient. Dies wurde möglich durch vielfältige Unterstützung von Mennonitengemeinden aus den USA und Kanada, dem MCC, der Mennonitischen Weltkonferenz, ökumenischen Organisationen in mehreren Ländern Mittelamerikas, sowie weiterer internationaler Initiativen vom Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), Ärzte ohne Grenzen, Caritas, Catholic Relief Service (CRS) und Komitees für Menschenrechte.

d) Interne Organisation, zwischenmenschliche Beziehungen und missionarischer Dienst

Eine Herausforderung für die Mennonitengemeinden in Mittelamerika besteht darin, dynamische Strukturen zu schaffen, um alle Gemeinden zu stärken. Diese Strukturen sollten dahin führen, die Solidarität, die Brüderlichkeit und Freundschaft als die Wesensmerkmale der Nachfolge Jesu herauszustellen.

Es ist nicht leicht gewesen, eine ganze Generation von Leitern für die Gemeinden Lateinamerikas vorzubereiten. Viele der geschulten Leiter aus den Reihen der Mennonitengemeinden sind später nach USA und Kanada ausgewandert, um dort zu arbeiten. Zur Zeit wird versucht, eine gemeinsame Arbeit zu koordinieren, in der Missionsgesellschaften Missionare aus Lateinamerika nach Afrika, Asien und sogar Europa senden.

e) Frauen in der Leitung

Seit sich die täuferische Bewegung im 16. Jahrhundert in Zentraleuropa ausbreitete, haben Frauen eine wichtige Rolle in der Gemeindeleitung gespielt. Die Leitungsrolle der Frau in den lateinamerikanischen Mennonitengemeinden geht auf die wichtige Unterstützung der Ehefrauen der Missionare im Aufbau der Gemeinden und in der Gründung von Frauenkreisen zurück.

Als erste mennonitische Pastorin wurde María Rodríguez Ende der 1980er Jahre in Costa Rica gewählt. Ein weiterer Höhepunkt war das 1989 von der kolumbianischen mennonitischen Kirche unterzeichnete Schreiben, das Frauen für den pastoralen Dienst empfhiehlt. Schließlich ist zu erwähnen, dass im letzten Jahrzehnt verschiedene nationale Gemeindebünde eine Frau an der Spitze hatten: Alix Losano (Kolumbien), Elisabeth Vado (Nicaragua) und Sandra Campos (Costa Rica).

Die Begegnung mit afrikanischen Theologinnen in Zimbawe auf der Mennonitischen Weltkonferenz 2003 in Bulawayo hat zur „Bewegung lateinamerikanischer Theologinnen“ geführt, die mit Unterstützung der Mennonitischen Weltkonferenz und regionalen mennonitischen Organisationen Treffen in Venezuela (2004), Mexico (2005), Costa Rica (2006), Guatemala (2007) und Uruguay (2007) durchführten. So kam es, dass auf der Weltkonferenz, die 2009 in Asunción, Paraguay stattfand, 120 Frauen aus ganz Lateinamerika zusammenkamen, um über das Thema „Die befreiende Botschaft Jesu für die Frauen heute“ nachzudenken. Auf der kürzlich in Pennsylvanien (USA) abgehaltenen Vollversammlung vom 21. bis zum 26. Juli 2015 traf sich die „Bewegung latainamerikanisch-täuferischer Theologinnen“ mit anderen Frauen aus allen Teilen der Welt, die sich um eine Täufertheologie bemühten. Das Ziel war, ein globales Netz aufzubauen. Hier begann auch die Planung eines Aktionsprogramms für die kommenden Jahre bis zur Vollversammlung in Indonesien im Jahre 2022.

f) Auf dem Weg zu einer Friedenstheologie

Im vom Bürgerkrieg erschütterten Kolumbien, früher geprägt von der Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen, heute von Drogenhandel, Guerilla, Militär und paramilitärischen Gruppen, gingen die Mennoniten voran, eine Theologie des Friedens zu entwickeln, die ihre Hoffnung auf das Reich Gottes setzt. Das mennonitische Projekt in Kolumbien, bekannt unter dem Namen Justapaz, wurde im September 1990 gegründet und lange Jahre vom mennonitischen Anwalt Ricardo Esquivia geleitet. Angesichts der schwierigen Situation und massiver Gewalt im Land sah sich die mennonitische Kirche dazu berufen, für den Frieden zu arbeiten. Es sollte ein Ort geschaffen werden, in dem sich die Kirche dafür einsetzt, über Gewaltfreiheit, Versöhnung und Menschenrechte zu sprechen. Auf diesem Weg wollte sie die Werte des Reiches Gottes vermitteln. Justapaz hat die Gemeinden der Confederación de Evangélicos de Colombia (CEDECOL) mit diesen Gedanken beeinflusst und über die Gemeinden auf die Gesellschaft gewirkt. Auf diese Weise wurde Justapaz auch Mitglied eines Zusammenschlusses der Zivilgesellschaft, in dem alle vereint wurden. 1999 war Ricardo Generalsekretär dieser Versammlung und arbeitete eng mit der Regierung im eigens gegründeten Consejo Nacional de Paz (Nationalrat für den Frieden) zusammen. Mehrere mennonitische Leiter wurden durch Justapaz Mitglied im Consejo Nacional de Paz und in Friedensräten verschiedener Stadtgemeinden sowie in Räten für Menschenrechte und Migration. In Cundinamarca boten sich 116 Stadtgemeinden zur Mitarbeit an, an der Nordküste in Montes de Maria waren es 8 Stadtgemeinden. Es wurde in Versöhnungszentren gearbeitet, wo Versöhnung (Mediation) zwischen zwei Parteien angestrebt wurde, ohne dabei Gewalt anzuwenden. Solche Zentren wurden in La Mesa, an der Atlantischen Küste und in Cali eröffnet.

Auch wenn Mitarbeiter in manchen Situationen durchaus ihr Leben aufs Spiel setzten, hat Justapaz nicht die Bemühungen für Gewaltfreiheit, konstruktive Konfliktlösung und Friedensbildung aufgegeben. Justapaz sammelt außerdem Dokumente und Beweise, in denen Verletzungen der Menschenrechte an Mitgliedern evangelikaler Gemeinden nachgewiesen werden. Diese Aktion ist eine Zusammenarbeit der Mennonitischen Kirche mit weiteren christlichen Kirchen, Organisationen für Menschenrechte und Frieden sowie Organisationen, die sich für die Gesellschaft und das Allgemeinwohl einsetzen.

4. Täuferische Organisationen in Lateinamerika und die Mennonitische Weltkonferenz

Die Interaktion zwischen Missionsgesellschaften und Mennonitengemeinden Lateinamerikas begann im Februar 1968, als der erste Congreso Menonita Latinoamericano (Lateinamerikanische Mennonitische Konferenz) unter dem Leitspruch „Auf dem Weg zu einer starken Mennonitischen Kirche“ in Bogotá (Kolumbien) stattfand. Daran schloss sich eine Serie von Kongressen an, die 1978 im Vierten Congreso Menonita Latinoamericano mündeten. Dieser fand in San Antonio (Texas) statt und stand unter dem Leitspruch „Christlich-täuferische Ausbildung“. Weitere Kongresse werden eher auf regionaler Ebene durchgeführt.

Der Consulta Anabautista y Menonita de Centro América (Mittelamerikanischer Rat der Täufer und Mennoniten) wurde schon 1974 gegründet und führte seine Treffen in Mittelamerika jährlich durch. Dagegen begannen die Mennonitengemeinden im Cono Sur erst im Dezember 1981 mit regionalen Treffen und zwar unter dem Leitspruch „Die gewaltfreie Haltung und der Versöhnungsauftrag der Kirche“. Der 13. und letzte täuferisch-mennonitische Kongress im Cono Sur fand in Uruguay statt und stand unter dem Thema „Die Rolle der Frau in der Gemeinde (John Driver) und in der Familie Gottes (Dionisio Bayler)“. In ganz Lateinamerika folgte die nächste Konsultation erst 1986 und zwar über „Die Mission der Kirche in der Stadt Antigua Guatemala“. Das Ziel dieser Zusammenkunft war es, „die Gemeinden in ihrer Mission zu bestärken angesichts der Herausforderung in der Gesellschaft und der modernen Welt“. Seitdem haben insgesamt sechs lateinamerikanische Versammlungen stattgefunden. Die letzte war im Oktober 2002 in Mexico unter dem Leitspruch: „Das täuferische Bild von Leitung der Kirche (Leadership) in Lateinamerika“. Die letzte Region, die solche Kongresse ausrichtete, war die Anden-Region, welche die Länder Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Peru einschließt. Das erste Treffen fand 2004 auf der Insel Margarita in Venezuela unter dem Leitspruch „Frauen der Bibel“ satt, und wurde unter Mitwirkung der Bewegung lateinamerikanischer Theologinnen veranstaltet. Die lateinamerikanische Region, die aus geschichtlichen Gründen, die größten Schwierigkeiten bei der regionalen Organisation hat, ist die Karibik. Hauptgründe dafür sind die Geschichte, die stark von der Kolonialzeit beeinflusst ist, die komplexe politische Entwicklung der Länder und die große Sprachenvielfalt. Auf der letzten Mennonitischen Weltkonferenz (MWK), die im Juli 2009 in Asunción (Paraguay) stattfand, brachten die Repräsentanten dieser Zone ihr Bemühen zum Ausdruck, sich regional zu organisieren. Wenn es soweit ist, werden alle Regionen ordnungsgemäß organisiert sein, um wichtige Themen in Kirche, Politik, Kultur und Seelsorge gemeinsam zu beraten. Organisationen wie die MWK und das MCC haben finanziell und personell dazu beigetragen, dass viele dieser Treffen stattfinden konnten, welche die täuferisch-mennonitische Identität in Lateinamerika gestärkt haben. Auf diesen regionalen Treffen sind tiefe theologische, aber auch soziale und seelsorgerliche Einsichten erarbeitet worden. Diese dienten und dienen als Leitfaden und Stärkung der lokalen Leitung der Gemeinden, besonders in Zeiten militärischer Diktatur, bei großen finanziellen Krisen, bei Naturkatastrophen oder bei politischen Revolutionen.

Es ist hervorzuheben, dass zwei Mennonitische Weltkonferenzen in Lateinamerika stattfanden. Die erste 1972 in Curitiba (Brasilien) unter dem Leitspruch „Jesus Christus versöhnt“ und die letzte im Juli 2009 in Asunción (Paraguay) unter dem Leitspruch „Miteinander unterwegs auf dem Weg Jesu Christi“, die letzte mit einer Beteiligung von fast 6.000 Menschen. Auf der Weltkonferenz in Curitiba wurden grundlegende Veränderungen vorgenommen, um ein ethnisches Gleichgewicht der Vertreter dieser weltweiten Organisation zu fördern. Es ist für die lateinamerikanische Fraktion sehr wichtig geworden, während der MWK auch selber zu tagen, um über Vertretungen in den Kommissionen der Weltkonferenz, wie zu Gerechtigkeit und Frieden, Mission, theologische Bildung, Beziehungen zu anderen Konfessionen, das Projekt der Globalen Mennonitischen Geschichte und vieles andere, zu beraten. Gegenwärtig gehören zur Mennonitischen Weltkonferenz Gemeindeverbände aus 85 Ländern mit ca. 2.115.195 Personen. Der gegenwärtige Generalsekretär der MWK ist César García, der den Mennonitenbrüdergemeinden in Kolumbien angehört.

5. Der multiethnische Charakter des lateinamerikanischen Täufer-Mennonitentums

Die in Asunción durchgeführte Mennonitische Weltkonferenz im Juli 2009 hat den multiethnischen Charakter des lateinamerikanischen Täufer-Mennonitentums gezeigt. In Paraguay gibt es mennonitische Kolonien deutschen, niederländischen, preußischen und russischen Ursprungs. Außerdem gibt es dort Spanisch sprechende Mennoniten genauso wie Mennoniten aus einheimischen Völkern der Guaraní, Toba, Enlhet und Nivaclé. Im Bewusstsein ihrer eigenen Geschichte haben die Enlhet-Gemeinschaften in Yalve Sanga (Paraguay) wie auch die Tobas in Argentinien einen Prozess der historischen Aufarbeitung ihrer Erinnerungen, Mythen, Bräuche und ihres Gottesbildes begonnen. Andere Völker, wie die Embera-Wounan in Panama, haben sich zur Aufgabe gesetzt, ihr kulturelles Erbe systematisch schriftlich und künstlerisch festzuhalten, um so ihre kulturelle und spirituelle Identität zu festigen. Heutzutage sind die Texte der Heiligen Schrift in viele einheimische Sprachen übersetzt, wie ins Kekchie (Guatemala), Trique (México), Garífuna (Honduras), und ins Bribí (Costa Rica). Zu früheren Zeiten wurden diese Völker von den Mennoniten als „Heiden“ bezeichnet. Heute wird der große spirituelle Reichtum ihrer Vorfahren wahrgenommen. Inmitten großer Armut teilen die mennonitischen Gemeinschaften der Ureinwohner, wie auch diejenigen afrikanischen Ursprungs (Honduras, Kolumbien, Brasilien), ihren historischen, kulturellen und spirituellen Reichtum mit Mennoniten anderer Herkunft. Ihre Geschichten und Mythen, die vom Urwald, den Meeren, den Flüssen, den Steinen und den Feldern erzählen, fordern dazu auf, unsere Mutter Erde zu bewahren. Es sind ihre Visionen und Träume, die die Unordnung erkennen lassen, die die ökonomischen Systeme in der Schöpfung hinterlassen haben, nur um die finanziellen Interessen von internationalen Unternehmen und einer kleinen Minderheit von Reichen zu schützen. Der Besuch der Stämme der Metis und Ojibwe (Nordamerika), Quechuas (Perú), Kekchies (Guatemala), sowie Embera und Wounan (Panamá) während der Weltkonferenz in Paraguay, war für die Ureinwohner Paraguays ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und Einheit inmitten der Vielfalt und hat das gesamte Mennonitentum in Lateinamerika bereichert.

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Jaime Adrián Prieto Valladares

 
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