Bruderschaftshäuser der Mennoniten (in den Niederlanden)

1. Bruderschaftshäuser - überall im Land

Zur Zeit (2016) gibt es fünf funktionierende Ferien- und Konferenzorte für Einzelne oder Gruppen in den Niederlanden:

Mennorode, in der Nähe von Elspeet gelegen, ist ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Tagungshotel in den Wäldern der Veluwe, das neben 30 Konferenzräumen über 172 Hotelräume verfügt.

Das Landgut Fredeshiem in der Nähe von Steenwijk bietet Möglichkeiten für einen Urlaubsaufenthalt von Gruppen, Familien und Einzelpersonen und ebenso für Konferenzen bis zu 250 Personen.

Das Mennonitische Bruderschaftshaus Dopersduin in Schoorl bietet in einer Atmosphäre der Schlichtheit etwa hundert Gästen Platz, zusätzlich noch 40-45 Gästen mit Selbstversorgung.

Daneben gibt es noch Unterbringungsmöglichkeiten für Gruppen wie Samen Eén (zusammen und einig) und das Kraggehuis (Haus am Ufer), gelegen auf Inseln im See Bovenwiede bei Giethoorn.

Menno’s Pleats (Mennos Ort) ist ein Bauernhof für Segel- und andere Aktivitäten, und Zentrum für mennonitische Hilfsdienste, in der Nähe von Nijhuizum in Friesland, jedoch steht dieser zum Verkauf.

Bloem en Bos (Blume und Wald), ein Gebäude für Gruppenaufenthalte bei Den Burg auf Texel, hat den Betrieb am 1. Januar 2016 eingestellt.

2. Die Anfänge der Bruderschaftshäuser

Diese Bruderschaftshäuser wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb genommen. Als eine Reaktion auf die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs wurde der Wunsch nach neuer geistlicher Belebung der Mennonitischen Bruderschaft geweckt. Die Anregung dazu ging teilweise von Woodbrooke, dem Studienzentrum der →Quäker in England, aus. Dort herrschte eine Atmosphäre ungezwungener, nicht-dogmatischer, doch tief empfundener Frömmigkeit. Einige Theologiestudenten, u. a. T. O. →Hylkema (1882-1962), kehrten nach einem Studienaufenthalt in Woodbrooke inspiriert zurück und wünschten sich ein ähnliches Zentrum für die Mennoniten in den Niederlanden, um das Glaubens- und Gemeindeleben zu stärken.

Hylkema initiierte mit einigen anderen Predigern 1917 die mennonitische „Gemeindetagsbewegung“, aus der wiederum verschiedene Arbeitsgruppen hervorgingen, z. B. für Bibelstudium, Mission, Gottesdienstmusik und Arbeitsgruppen gegen den Wehrdienst (die spätere mennonitische Friedensgruppe). Der Traum eines eigenen Konferenzortes wurde im Jahre 1925 mit dem Bau des ersten mennonitischen Bruderschaftshauses in Elspeet verwirklicht. Dort wurden Gemeindetage, Kurse, Konferenzen und Ferienlager organisiert. Sie standen allen offen, die sich in einem nicht konfessionell gebundenen Klima wohlfühlten.

Elspeet blieb nicht der einzige Ort. Das Kraggehuis (Haus am Ufer) für junge Menschen der Gemeinde Giethoorn gab es schon. ebenso das Bruderschaftshaus in Bilthoven, das von dem Quäker mennonitischer Herkunft Kees Boeke (1884-1966) gegründet worden war, doch später den Mennonitengemeinden Amsterdam und Utrecht übertragen wurde. 1929 wurde das Bruderschaftshaus Fredeshiem gebaut, 1931 das Bruderschaftshaus in Schoorl. 1965 wurde das Van Eeghenhuis gegründet, ein Bruderschaftshaus und Ausbildungszentrum in Aardenburg. Nach und nach entstanden Samen Eén‘ in Giethoorn und Bloem en Bos auf der Insel Texel und 1996 schließlich Menno’s Pleats‘ bei Nijhuizum.

3. Neue Impulse für das Gemeindeleben

In diesen Häusern können sich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft während ihrer Urlaubstage oder zu Kursen treffen und sich über die wesentlichen Fragen des Lebens austauschen. Die Häuser sind offene Räume, in denen Gottes Geist wehen kann und neue Initiativen entstehen können. Damit wird einem Bedürfnis Rechnung getragen, das in einer Krise der Mennonitengemeinden erwacht ist und nach neuen Formen der Glaubensgemeinschaft, wie der Schaffung von Netzwerken der Menschen untereinander, verlangt wird. Dopersduin in Schoorl, wo sich Freiwillige in den Ferien für neue Impulse des Gemeindelebens einsetzen, ist eine solche Netzwerkgemeinschaft für Jung und Alt.

Hier wird das Gemeinde-sein als eine zeitweilige und vorübergehende Gemeinschaft erfahren, die während der Ferien oder bei anderen Gelegenheiten jedes Mal neu entsteht. Hier haben sich einige Besucher bereits taufen lassen und andere sich mit anderen entschlossen, ihre Glaubensgemeinschaft als Bewegung zu erfahren und neuen Initiativen Raum zu bieten, um der taufgesinnten Gemeinschaft neue Kraft zu verleihen. So werden neue Mitglieder aus allen niederländischen Gemeinden einmal im Jahr zu einem Wochenende nach Doersduin eingeladen, sich kennen zu lernen und über alle Grenzen hinweg in die weltweiten Bruderschaft einzuleben.

2011 wurde in Mennorode (Elspeet) ein neues Zentrum für Stille und Inspiration (De Luwte (Windschatten) eröffnet. Ein wunderschönes Zentrum, das nicht nur kirchlich orientierten Menschen, sondern auch Gruppen aus der Wirtschaft offen steht. Hier werden Schulungen für mennonitische Prediger durchgeführt und ebenso ein Kurs zu Täuferischer Theologie für Gemeindemitglieder. Ebenso tagt dort auch ein „Freies Lehrhaus“, eine offene mennonitische Gruppe für Studium und Begegnung, wo theologische Themen nicht dogmatisch aufgearbeitet werden, sondern wo moderne Spielfilme und literarische oder philosophische Texte die Gespräche über den Glauben anregen.

„Leeftocht“ (Wegzehrung) ist ein Gremium, in dem Dopersduin, Buitengoed Fredeshiem und der →Algemene Doopsgezinde Societeit zusammenarbeiten, um Vorträge, Aktivitäten und Kurse zu Religion und Spiritualität zu organisieren. So werde im Fredeshiem jährlich Tage der Einkehr angeboten.

Heute werden die Bruderschaftshäuser von der wirtschaftlichen Krise gezwungen, den Betrieb neu zu gestalten, Gruppen aus der Geschäftswelt außerhalb der Bruderschaft zu beherbergen und die Mitarbeiter nicht auf Mennoniten zu beschränken. Dopersduin (Schoorl) ist noch am ehesten ein Bruderschaftshaus geblieben, das einen mennonitischen Kurs zu steuern und die ursprüngliche Identität zu wahren versucht.

Literatur

De wereld van ….. Doopsgezinde Broederschapshuizen (Brochüre). - F. Groeneveld und C. Brüsewitz, Van Elspeet naar Mennorode, Hilversum 2000. - Hendrik Blanksma (Endredaktion), Jubileumboek 75 jaar Fredeshiem, Steenwijk 2005. - S. Groenveld, J. P. Jacobszoon und S. L. Verheus, Wederdopers Menisten, Doopsgezinden in Nederland 1530-1980, Zutphen 1980.

Buitengoed Fredeshiem, Steenwijk/De Bult www.fredeshiem.nl

Mennorode, Elspeet www.mennorode.nl

Stichting Doopsgezind Broederschapshuis Dopersduin, Schoorl www.dopersduin.nl

Kampeerhuis Kraggehuis - Giethoorn www.kraggehuis.nl

Marion Bruggen

 
www.mennlex.de - MennLex V :: loc/bruderschaftshaeuser.txt · Zuletzt geändert: 2016/04/12 12:18 von bw     Nach oben
© 2010 - 2016 Mennonitischer Geschichtsverein e.V. | Impressum | Kontakt: webmaster@mennlex.de | Umsetzung: Benji Wiebe, mennox.de |
Artikel drucken
| ODT Export | PDF Export