Wilhelmy, Herbert

geb. am 4. Juli 1910 in Sonderhausen/Thür., gest. am 1. Februar 2003 in Tübingen, Deutschland; Geograph.

Herbert Wilhelmy studierte Geographie, Geologie und Völkerkunde in Gießen, Bonn, Wien und Leipzig; 1932 schloss er sein Studium mit einer Promotion in Leipzig ab. Er nahm Professuren in Kiel und Stuttgart wahr und wurde 1958 als Nachfolger von Hermann von Wissmann an die Universität Tübingen berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1978 lehrte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschungen lag auf der Bevölkerungs- und Siedlungsgeographie, auch auf der Geographie von Wirtschaftsräumen. 1980 erhielt er das Bundesverdienstkreuz als „hochangesehener Botschafter der deutschen Kultur und Wissenschaft“, 1984 die Goldene Alexander-von-Humboldt-Medaille und 1986 den Augsburger Universitätspreis für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien.

Von der Universität Kiel aus besuchte er auf seiner Forschungsreise durch Südamerika in den Jahren 1936/37 auch die deutschen und mennonitischen Kolonien in →Paraguay. Gemäß seiner nationalsozialistischen Gesinnung fällte er in seinem abschließenden Bericht ein sehr hartes Urteil über die Siedler in der Kolonie Fernheim. Prediger und Lehrer zeigten in ihren Reden und Handlungen, so stellte er fest, ihre Zuneigung zum nationalsozialistischen Deutschland, während die Bauern aus ihrer Abneigung gegenüber dem neuen Deutschland keinen Hehl machten. Für die älteren Fernheimer habe er daher keine Hoffnung mehr, aber die Jungen könnten für die nationalsozialistische Arbeit vielleicht noch gewonnen werden.

Als dieser Bericht in Deutschland und in Fernheim bekannt wurde, setzte von mennonitischer Seite sofort eine Gegenreaktion ein. In Deutschland schrieben ⇒ Fritz Kliewer und ⇒ Benjamin H. Unruh klärende Briefe an die entsprechenden Stellen in Deutschland, und in Fernheim wurde eine Kolonieversammlung einberufen, auf der Wilhelmys Bericht verlesen und Punkt für Punkt widerlegt wurde. Dabei wurde folgender Beschluss gefasst: „Die Stellung der Kolonie zum neuen Deutschland ist in kurzer Zusammenfassung die, dass wir mit inniger Dankbarkeit Gott gegenüber auf die Bewahrung Westeuropas und damit auch der übrigen Welt vor dem Weltbolschewismus dank der mächtigen Hand des großen Führers Adolf Hitler zurückblicken. Wir wollen nebst unserem Mennonitentum gute Deutsche sein und bleiben, wie wir uns als solche auch in Rußland rein von fremden Einflüssen gehalten haben, und als solche wollen wir treu und offen das Deutschtum - auch das Deutschtum des Dritten Reiches - bekennen und hoch halten wie mit Worten so auch mit der Tat. Von politischen Parteien wollen wir uns jedoch fern halten, da mit unserem Glaubensgrundsatz der Anschluß an Parteien und politische Aktionen nicht vereinbar sind.“

Auswahlbibliographie

Herbert Wilhelmy: Die deutschen Siedlungen in Mittelparaguay. Kiel 1941. - Herbert Wilhelmy und Wilhelm Rohmeder, Die La Plata-Länder Argentinien - Paraguay - Uruguay, Braunschweig u. a. 1963. - Herbert Wilhelmy, Lateinamerika, Stuttgart 1982.

Nachruf

 
www.mennlex.de - MennLex V :: art/wilhelmy_herbert.txt · Zuletzt geändert: 2013/03/05 22:03 (Externe Bearbeitung)     Nach oben
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