Westafrika (Nigeria, Ghana, Burkina Faso) und Zentralafrika (Kongo, Angola)

Die vier wichtigsten westafrikanischen Kirchen in täuferisch-mennonitischer Tradition entstanden im 20. Jahrhundert, vier Jahrhunderte nachdem der christliche Glaube in die Region eingeführt wurde. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts trieben portugiesische Schiffe entlang der westafrikanischen Küste Handel, und in der Regel gehörten römisch-katholische Geistliche zur Besatzung. Die Rolle des Klerus bestand darin, die Besatzung geistig zu beaufsichtigen und die eingeborenen Völker zu evangelisieren. Andere europäische Nationen folgten bald den Portugiesen, so dass auch Protestanten vertreten waren. Während des 18. Jahrhunderts reiste eine Anzahl Westafrikaner nach Europa, um eine theologische Ausbildung zu erhalten. Nach ihrer Rückkehr gründeten sie Kirchen, riefen Schulen ins Leben, dienten als Lehrer und begannen damit, in der Schriftsprache die afrikanischen Sprachen zurückzudrängen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war diese Entwicklung jedoch noch bescheiden.

Der Klerus reiste entlang der Küste nicht weit von den Handelsposten entfernt. Er arbeitete häufig vornehmlich mit Europäern und Mestizen, den Kindern europäischer Händler und ihren afrikanischen Frauen. Die Brutalität des Sklavenhandels hat die Afrikaner wahrscheinlich davon abgehalten, das Evangelium ernst zu nehmen, denn das Christentum war die Religion der Europäer, die Sklaven kauften und exportierten, vor allem nach Amerika. In vielerlei Hinsicht war das Christentum eng mit europäischen Mentalitäten und Institutionen verbunden, was es dem christlichen Glauben schwer machte, jenseits der Küstensiedlungen Wurzeln zu schlagen. Der Trend begann sich jedoch im 19. Jahrhundert zu wenden. Befreite Sklaven, vor allem in den Kolonien Sierra Leone und Liberia, gründeten christliche Gemeinschaften auf afrikanischem Boden, stellten Evangelisten zur Verfügung, die in das westafrikanische Landesinnere vorstießen und die christlichen Schriften in afrikanische Sprachen übersetzten. Erweckungsbewegungen in Europa und Nordamerika inspirierten den missionarischen Eifer und fügten neue Kandidaten in eine bereits starke, moderne, protestantische Missionsbewegung ein, die sich zunehmend auf Afrika konzentrierte. Die medizinische Entdeckung eines Malariamittels bedeutete, dass die Missionare im Ausland langfristig in der Region arbeiten konnten und nicht länger der Krankheit erlagen, die die Region als „Grab des weißen Mannes“ bekannt gemacht hatte. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der neue Glaube in westafrikanischer Erde und war im Begriff, eine bedeutende religiöse Bewegung zu werden.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs die christliche Bewegung in Westafrika von einem bescheidenen Anfang mit 557 000 Anhängern am Ende des ersten Jahrzehnts auf 110 Millionen bis zum Jahr 2010. Das bedeutet ein Wachstum von weniger als zwei Prozent auf fast 36 Prozent der Bevölkerung. Während dieses Jahrhunderts des religiösen Wandels und des wichtigen Wachstums, nahmen die →Church of the Brethren und drei mennonitische Kirchen, die in diesem Artikel behandelt werden, ihren Anfang und setzten ihre Entwicklung fort. Der Kolonialismus und die daraus resultierenden Unabhängigkeitsbewegungen, die zunehmende Integration der Region in die Weltwirtschaft und die neuen postkolonialen unabhängigen afrikanischen Staaten bildeten dabei die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In einigen Fällen war es die koloniale Niederlage afrikanischer Gemeinwesen, die westlichen Missionaren den Zugang in die Region ermöglichte und ihrer Arbeit förderlich war. Die Gewalt der Kolonialherrschaft und die Unfähigkeit der traditionellen Götter und Möglichkeiten, die Kolonialisten in Schach zu halten, stürzte die afrikanischen sozialen und religiösen Ordnungssysteme in eine Krise und erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen ihre religiöse Zugehörigkeit änderten. Zu den christlichen Missionen gehörten in der Regel Schulen, in denen Menschen lesen lernten und die notwendigen Fähigkeiten erlangten, um in der neuen Kolonialwirtschaft erfolgreich zu sein. Ein Christ zu sein und zur Schule zu gehen, war für viele ein Synonym. Missionare führten moderne Methoden der Gesundheitsversorgung ein und errichteten schließlich Apotheken und Krankenstationen, die die Lebensqualität in vielen Regionen erhöhten. Schon in der Kolonialzeit gründeten westliche Missionare die Church of Brethren in Nigeria. Westafrikaner gründeten die mennonitischen Kirchen in Nigeria und an der Goldküste, die bald Ghana werden sollte, da diese Kolonien an der Schwelle zur Unabhängigkeit standen. Die evangelikale Mennonitenkirche von Burkina Faso wurde zwei Jahrzehnte nach der Kolonialzeit gegründet. Jede Kirche entwickelte sich in ihrem spezifischen zeitlichen, geografischen und kulturellen Kontext.

1. Church of the Brethren in Nigeria (EYN, Ekklesiyar Yan'uwa a Nigeria )

Die Church of Brethren in Nigeria (EYN, Ekklesiyar Yan’uwa in Nigeria) entstand aus der Arbeit von Missionaren der nordamerikanischen Church of Brethren, die 1923 von den Kolonialbehörden die Erlaubnis erhielten, mit der Missionsarbeit zu beginnen. Sie siedelten sich im Dorf Garkida, das heute im Bundesstaat Adamawa im Nordosten Nigerias liegt, an. Dieser Ort wurde zum Hauptquartier der Mission. Hier begann der Einsatz der Missionare mit medizinischer Arbeit und dem Unterricht im Lesen und Schreiben. Innerhalb von drei Jahren hatte die Missionsstation eine Apotheke und ihre erste Elementarschule eröffnet. In den ersten Jahrzehnten der Arbeit waren der Aufbau von Gesundheitseinrichtungen, einschließlich einer Leprastation, von Schulen und Initiativen für die ländliche Entwicklung ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen. Kirchliche Versammlungen, schulische und medizinische Arbeit dehnten sich bald auf die umliegenden Gebiete aus, und Missionare nahmen im Jahr 1927 die ersten vier nigerianischen Gläubigen durch die Taufe in die Kirche auf. Die kirchlichen Versammlungen begannen oft an Orten, an denen Evangelisten sogenannte „Predigtschwerpunkte“ eingerichtet hatten. Die Kirche und ihre Mission verwalteten am Ende über vierzig Schulen. Die Regierung übernahm in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren die kirchlichen Krankenhäuser und Schulen, mit Ausnahme religiöser Einrichtungen wie die Bibelschulen.

In der Mitte des Jahrhunderts spielten nigerianische Kirchenmitglieder eine führende Rolle bei der Ausbreitung der Kirche, und das Missionswerk war bereit, seine Führung in die Hände von Nigerianern zu legen. Die Mission eröffnete 1950 eine Ausbildungsstätte für nigerianische Pastoren, und zwei Jahre später nahmen die ersten Absolventen Führungspositionen in der Kirche ein. Einer von ihnen wurde der erste nigerianische Pastor der Kirche und ein anderer der erste nigerianische Älteste. Die Kirche richtete jährliche Versammlungen, genannt Majalisas, ein, zu denen jede Gemeinde Vertreter entsandte. Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1972, wurde die Kirche unter dem Namen Lardin Gabas (Eastern District) von der Mission unabhängig. Später änderte sie ihn in ihren heutigen Namen Ekklesiyar Yan’uwa a Nigeria (EYN, Church of Brethren in Nigeria). Bis 1982 hatte die EYN 96 Gemeinden mit ungefähr vierzigtausend Mitgliedern. Die Kirchenleitung residiert in Kwarhi, wo sich auch das zentrale theologische Ausbildungszentrum der EYN, das Kulp Bible College, befindet. Die Kirche unterhält eine Reihe von zusätzlichen Bibelschulen und Primar- und Sekundarschulen. Im 21. Jahrhundert hat EYN mitgeteilt, dass sie schätzungsweise mehrere hundertausend Mal in mehr als fünfzig Bezirken präsent ist. Die EYN hat Gemeinden außerhalb ihrer traditionellen Region im Nordosten Nigerias und gründete Kirchen in Niger, Kamerun und Togo. Die Kirche ist Mitglied der Christlichen Vereinigung von Nigeria, des nigerianischen Rates der Kirchen, der Gemeinschaft der Churches of Christ in Nigeria und des Ökumenischen Rates der Kirchen. Die EYN arbeitet weiterhin mit der Church of the Brethren und der Brethren Church in den USA und der Basler Mission, jetzt Mission 21, mit Sitz in der Schweiz, zusammen.

Der Nordosten Nigerias ist eine Region mit zahlreichen ethnischen Gruppen, in denen Christentum und Islam koexistieren und um Einfluss konkurrieren. Die EYN lebt inmitten ethnischer Spannungen und interreligiösen Konflikten. Die wichtigsten ethnischen Gruppen in der Kirche sind die Bura, die Kamwe und die Marghi mit Hausa und Englisch als alltägliche Sprachen. Die EYN muss Wege finden, über ethnische Unterschiede hinweg zu arbeiten. In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts wurde die Region von Gewalt heimgesucht, einschließlich der Angriffe von Boko Haram, einer aufständischen Gruppe, die darum kämpft, einen islamischen Staat zu errichten. EYN Kirchen wurden durch Angriffe zerstört und Kirchenmitglieder getötet. Kirchenführer berichteten, dass 70 Prozent der Gebäude der EYN beschädigt oder zerstört und mehr als elftausend ihrer Mitglieder getötet wurden. Boko Haram entführte eine Anzahl von EYN-Mitgliedern, und viele Tausende flohen vor der Gewalt und wurden für längere Zeit aus ihren Häusern vertrieben. 2015 eroberte das nigerianische Militär Kwarhi zurück, die EYN konnte zurückkehren und ihr beschädigtes Hauptquartier reparieren.

2. Mennonite Church of Ghana

Zahlreiche Faktoren trugen zur Gründung einer mennonitischen Kirche 1956 in Ghana bei. Der Wunsch der nordamerikanischen Mennoniten nach einem Missionsfeld in Afrika, der zunehmende Einsatz von Funktechnologie für Missionszwecke und die zunehmende globale Reichweite nordamerikanisch-mennonitischer Hilfseinsätze und Missionsanstrengungen nach dem Zweiten Weltkrieg spielten dabei eine Rolle. Der Mennonite Board of Missions (MBM), eine Missionsgesellschaft der Mennonite Church in Nordamerika, hatte bereits in den späten 1920er Jahren versucht, ein Missionsfeld in Afrika zu erschließen. Die Finanzkrise der frühen 1930er Jahre stoppte diese Initiative und ein weiteres Projekt in Äthiopien endete 1951. Der MBM richtete seine Aufmerksamkeit auf Westafrika, als seine Mitarbeiter in Europa George Thompson von der Goldküste trafen. Dieser war 1955 nach Paris gereist, um an den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des Weltbundes des YMCA (CVJM) teilzunehmen. Die nordamerikanische Mennonite Mission und das →Mennonite Central Committee (MCC) waren nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Mitarbeitern in Europa tätig. Thompson besuchte Einsätze der MBM und des MCC in Belgien, Deutschland, der Schweiz und England. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt beim MBM im Zentrum Londons schlug Thompson vor, im Namen der Mennoniten in seinem Heimatland, das bald keine britische Kolonie mehr sein würde, evangelistische Arbeit zu leisten. Das MBM bevollmächtigte seine Londoner Missionare, Thompson als ihren Vertreter zu beauftragen. Dies taten sie im Januar 1956, kurz bevor er an die Goldküste zurückkehrte. 1957 wurde Ghana ein unabhängiger Staat.

Nach seiner Rückkehr begann Thompson, eine mennonitische Bewegung ins Leben zu rufen. Er organisierte und leitete Bibelstudien und initiierte eine Reihe von Einrichtungen wie Schulen, Studentenheime und Mennonitenzentren in Accra und in den umliegenden Dörfern, eine Missionsmethode, die er in Europa bei mennonitischen Missionaren gesehen hatte. Thompson förderte auch die mennonitische Literatur, die von The Mennonite Hour, einem mit MBM verbundenen Rundfunksender, veröffentlicht wurde. Die Leistungsfähigkeit des Radios, das Publikum über große geografische Gebiete zu erreichen, machte es zu einem attraktiven Werkzeug für die nordamerikanischen Missionsgesellschaften, und MBM machte dabei keine Ausnahme. The Mennonite Hour-Sendungen, die ab 1956 über den Radiosender ELWA in Liberia ausgestrahlt wurden, führten zu einer Einladung aus Liberia, die Missionsarbeit in dieser Region aufzunehmen. Vertreterr von Mennonite Hour besuchten 1956 Liberia und die Goldküste und ermutigten Thompson, Literatur aus der Sendung weiter zu verwenden. Sie ermächtigten ihn, The Mennonite Hour Bibel-Fernkurse zu verbreiten, die Antworten der Schüler zu korrigieren und die Zertifikate diejenigen auszustellen, die die Kurse erfolgreich abgeschlossen hatten. Diese Bibelkurse, neben dem Verkauf von veröffentlichten Predigtensammlungen, die in der Sendung ausgestrahlt wurden, wurden zusammen mit dem von Thompson initiierten Aufbau von Insitutionen ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Arbeit.

1957 schickte MBM Missionare mit zwei Zielen nach Ghana: Sie wollten Thompsons geistliche Arbeit unterstützen und eine Kirche unter einer ethnischen Gruppe in Nordghana, die das Evangelium noch nicht erreicht hatte, gründen. Das MBM stellte jedoch nach seinen Erkundungen der nördlichen Regionen in Ghana fest, dass andere christliche Missionen bereits umfangreiche Arbeiten in der gesamten Region durchgeführt hatten. Während Missionare der Church of the Brethren im Nordosten Nigerias in den 1920er Jahren Missionsneuland gefunden hatten, fand MBM heraus, dass Ghana Ende der 1950er Jahre mit christlichen Missionen und den von ihnen gegründeten Kirchen gut ausgestattet war. Anstatt ein neues Feld zu eröffnen, konzentrierten sich die Missionare auf die Unterstützung der Arbeit, die Thompson im Großraum Accra initiiert hatte. Am Ende waren aber die Schulen, Studentenwohnheime und mennonitische Zentren in Accra nicht attraktiv genug, um finanziell tragbar gewesen zu sein. Sie wurden darum geschlossen. Einige der Dorfgrundschulen hatten jedoch mehr Erfolg, Schüler anzuziehen. Der anschließende Missionseinsatz von MBM in Ghana konzentrierte sich darauf. Grundschulen in Dörfern, in denen andere Missionen nicht präsent waren, finanziell zu fördern. Des weiteren lagen seine Schwerpunkte in der Gründung von Kirchen in diesen Dörfern, in der Bereitstellung von Krankenschwestern und Ärzten für die Gesundheitseinrichtungen, in der Fortsetzung des Bibelstudiums und der Verbreitung von christlicher Literatur.

Anfänglich stand die Mennonite Church Ghana (MCG) in enger Verbindung zum MBM. Inzwischen hat sie sich zu einer autonomen Kirche entwickelt. Die dort lebenden MBM- Missionare dienten der Kirche bis 1992. Im Laufe der Zeit sind die Gemeinden und Mitgliederzahlen gewachsen und die Kirche ist seit 1963 Vollmitglied des Rates der christlichen Kirchen in Ghana. 1978 verzeichnete die MCG sechzehn Gemeinden im südlichen Ghana mit 607 Mitgliedern. Im Jahr 2017 zählte sie vierundzwanzig Gemeinden in sechs Bezirken mit ungefähr 1000 Kirchenbesuchern. Die meisten Gemeinden befinden sich in Dörfern auf dem Land. In der Hauptstadt Accra selbst hatte die Kirche keine Gemeinde.. Während des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts schlossen sich einige Gemeinden in der nördlichen Volta-Region des Landes der MCG an und erweiterten damit ihre Ausdehnung über ihren südlichen Standort hinaus. Die Beratung der kirchlichen Verwaltungsangelegenheiten auf nationaler Ebene findet im Rahmen einer jährlichen Konferenz statt, zu der jede Gemeinde zwei Vertreter entsendet. Es gibt aber auch eine Weihnachtskonferenz, zu der die gesamte Kirche jeden Dezember eingeladen wird. Zwischen den jährlichen Konferenzen übernimmt ein Exekutivkomitee, bestehend aus einem Moderator, einem Sekretär, einem Schatzmeister, einem Finanzsekretär und Vertretern der sechs Bezirke der Kirche, die Kirchenleitung. Die Vorstandsmitglieder bilden einen ständigen Ausschuss, der zwischen den Sitzungen des Exekutivkomitees handeln kann. Die ordinierten Leiter bilden ein „Ministerium“, das sich mehrmals im Jahr trifft, um sich mit den Problemen der Kirche zu befassen. Die MCG-Führung ist fast ausschließlich männlich; Die Kirche ordinierte 2009 ihre erste weibliche Pastorin. Es gibt aktive MCG-Frauen- und Jugendorganisationen sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene. Sieben verschiedene ethnische Gruppen sind in der Krche vertreten.

Die Gottesdienste in den Mennonitengemeinden Ghanas sind vibrierende Veranstaltungen. Gebete von jedermann, jedoch gleichzeitig laut gesprochen, geben dem Gottesdienst eine besondere Note. Der Gesang wird oft von Tanz begleitet, ergänzt durch die Intrumentalbegleitung mit traditionellen Trommeln, E-Gitarren, Keyboards und modernen Drumsets, die ein ganz spezielles „Lobpreis-Band“ -Erlebnis vermitteln. Üblicherweise bringen die Teilnehmer ihr Opfer zu einem festgelegten Zeitpunkt tanzend vor die Gemeinde. Der Zeitpunkt für das persönliche Zeugnis ist oft der Teil des Gottesdienstes, in dem Gottesdienstbesucher ihre Erfahrungen, wie Gott in ihrem Leben spürbar geworden ist, mit der Gemeinde teilen. Dabei kommen häufig Geschichten von Heilung und Genesung vor. Lieder und Predigten können auf Englisch oder in einer der lokalen Sprachen vorgetragen werden. Predigten und Ankündigungen werden typischerweise in eine oder mehrere zusätzliche Sprachen übersetzt, um die sprachliche Vielfalt zu berücksichtigen, die bei einer gottesdienstlichen Versammlung jeweils vertreten ist.

3. Mennonite Church in Nigeria

Eine Gruppe unabhängiger Kirchen im Südosten Nigerias legten den Grundstein für die Mennonite Church Nigeria, als sie sich 1958 zu einer konferenzähnlichen Struktur formierten, den Namen mennonitisch annahmen und mennonitische Missionare in ihre Region einluden, um ihnen zu helfen. Diese Kirchen waren von Angehörigen des Ibibio-Stammes gegründet worden, die sich erfolgreich gegen die Christianisierung und die Auferlegung der britischen Kolonialherrschaft bis Anfang des 20. Jahrhunderts gewehrt hatten. In der Jahrhundertmitte bezeichnete sich jedoch die Mehrheit der Ibibio als Christen. Diese Veränderung war teilweise auf eine Erweckungsbewegung in den späten 1920er Jahren zurückzuführen, die später die Geist-Bewegung genannt wurde. Sie sprengte die engen Grenzen der Missionskirchen und führte zur Schaffung einer großen Anzahl von unabhängigen Kirchen, die mit keiner der zahlreichen westlichen Missionen in der Region verbunden waren. Aus dieser Bewegung heraus nahm eine Gruppe von Kirchengemeinden, nachdem sie die Mennonite Hour-Sendungen gehört und eine MBM-Adresse auf einem Traktat gefunden hatte, die mennonitische Identität an. Sie schrieben an die MBM und luden sie ein, Missionare zu senden, um ihnen zu helfen. MBM-Missionare aus Ghana besuchten die Gruppe in den Jahren 1958 und 1959 mehrmals, um den mennonitischen Glauben zu erklären und zur Gründung der Mennonite Church Nigeria (MCN) beizutragen.

1959 ließen sich MBM-Missionare im Bereich der MCN nieder, um in Zusammenarbeit neue Anhänger und Gemeinden zu gewinnen und Bildungsmöglichkeiten für Kirchenleiter und Jugendliche zu entwickeln. Missionare halfen der Kirche beim Aufbau von landwirtschaftlichen Projekten und beim Zugang zu Schulungen in staatlichen Landwirtschaftszentren. MBM untersützte jungen Menschen mit Stipendien für weiterführende Schulen und Berufsausbildungsprogramme und finanzierte die Ausbildung von Bibelschülern für MCN-Führungskräfte. Die Mission bot diese Hilfe an, statt eigene Schulen zu gründen. Diese Strategie sollte verhindern, dass Institutionen entstehen, die eine finanzielle und administrative Belastung für die Kirche darstellen. MCN betrachtete solche Institutionen jedoch als wesentlich für ihren kirchlichen Dienst und eröffnete später eigenen Schulen. MCN wuchs aus einer Gruppe von zehn Gemeinden Anfang 1960 bis sechsunddreißig Gemeinden mit 2406 Mitgliedern. Sechs neue Gemeinden waren gerade in der Entstehung, als der nigerianische Bürgerkrieg im Jahr 1967 ausbrach. Drei Monate vor Beginn des Krieges ordinierte MCN ihren ersten nigerianischen Pastor, OE Essiet. Der Krieg zerstörte die Region und fügte der Kirche Gewalt und Entbehrung zu. Die Missionare sahen sich zur Evakuierung gezwungen. Eine Reihe von MCN-Gemeinden befanden sich lange Zeit an der Frontlinie des Konflikts. Durch den Krieg wurden viele Kirchenmitglieder entwurzelt und getötet.

Der Bürgerkrieg endete 1970, und die MCN erholte sich langsam von den Zerstörungen, die er verursacht hatte. Die MBM bot Unterstützung für landwirtschaftliche Projekte und theologische Ausbildung für Führungskräfte an, aber Visabeschränkungen verhinderten die Wiederherstellung einer langfristig ansässigen missionarischen Präsenz in der Region. MCN eröffnete in den späten 1970er Jahren eine Schule, die sowohl eine Sekundarstufe als auch ein Seminar unterhielt, aber Konflikte zwischen verschiedenen Kirchenregionen führten 1981 zu ihrer Schließung. Dieser Konflikt führte zur Stagnation der Entwicklung, spaltete die Kirche und behinderte die Beziehungen zur MBM und anderen internationalen mennonitischen Organisationen seit anderthalb Jahrzehnten. MCN-Führer verhandelten Mitte der 1990er Jahre mit Hilfe eines MBM-Missionars über eine Lösung des Konflikts.

Die MCN-Mitglieder gehören weiterhin in erster Linie dem Ibibio-Stamm an und die meisten wohnen im Bundesstaat Akwa Ibom in der südöstlichen Region von Nigeria. Unter den vier Kirchen, die dieser Artikel beschreibt, ist bei dieser Kirche die Vorherrschaft einer einzelnen ethnischen Gruppe einzigartig. 2017 meldete die MCN 46 Gemeinden. Es gab fünf Diözesen mit zusammen vierzig Gemeinden und einen Bezirk, in dem drei Gemeinden noch keine Diözese bildeten Es gab auch drei städtische Gemeinden, die unabhängig von der Diözesanstruktur existieren. Eine davon befindet sich in der Landeshauptstadt Abuja. Die Leitung der Kirche bestand aus dreißig ordinierten Pastoren, siebzehn nicht-ordinierten Pastoren und neun Evangelisten. Die Gesamtzahl der MCN-Mitglieder betrug ungefähr fünfzehntausend. Die Kirche hatte fünf Grundschulen und eine Fabrik, in der Trinkwasser zum Verkauf abgefüllt wurde, um ein Einkommen für die Kirche zu erwirtschaften. Während die meisten Kirchenleiter männlich waren, beruft die MCN auch Frauen in den Dienst. Sie arbeiten als Diakonissen, Evangelistinnen und Pastorinnen. Ein nationales Komitee mit Vertretern jeder Diözese und vier leitenden Angestellten, einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten, einem Generalsekretär und einem Schatzmeister bilden die nationale Kirchenleitung. Das MCN hält seine Jahresversammlung im Dezember ab, und jede Diözese veranstaltet im August eine zusätzliche Jahresversammlung. Die Kirche hat aktive Frauen- und Jugendorganisationen und unterstützt jedes Jahr sowohl einen Jugendkongress als auch einen Kinderkongress. Die MCN arbeitet kontinuierlich mit dem MCC und Mennonite Mission Network, der Missiongesellschaft der Mennonite Church USA, zusammen.

Die MCN spiegelt das stark charismatische christliche Milieu seiner kirchlichen Umgebung wider. Ihr Glaubensausdruck ist pfingstlerisch geprägt, während sie sich fest an ihre mennonitische und täuferische Identität hält. Anbetungsgottesdienste werden höchst lebendig gestaltet mit gemeinsamen lauten Gebeten, mit Singen und Tanzen. Verschiedene Formen der öffentlichen Opferdarbringung, bei denen die Teilnehmer ihre Spenden tanzend vor die Gemeinde bringen, sind üblich. Die Lieder können entweder in Englisch oder in Ibibio gesungen werden und werden oft von Schlagzeug, E-Gitarren und Keyboards begleitet. Gebete mit der Bitte um körperliche Heilung, Schutz vor dem Bösen und Erfolg im Leben sind typisch. Die Mitglieder der Kirche erwarten von Gott, dass er in der Weise durch Zeichen und Wunder in ihr Leben eingreift, wie es in den neutestamentlichen Berichten von der Frühen Kirche überliefert wird.

Viele Gemeinden haben jeden Monat einen Gottesdienst, der über die ganze Nacht dauert und „Frottee-Nacht“ genannt wird. Der Januar ist in der ganzen Kirche ein Monat des Gebets und des Fastens.

4. Evangelical Mennonite Church in Burkina Faso

Die Arbeit des MCC gab den Anstoß für die Ankunft mennonitischer Missionare und schließlich für die Gründung der Evangelical Mennonite Church von Burkina Faso (EMCBF). In den frühen 1970er Jahren suchte das MCC nach Möglichkeiten, sich im frankophonen Westafrika in der Landwirtschaft zu engagieren. Dies sollte in Partnerschaft mit einer mennonitischen Mission oder Kirche geschehen. Das MCC entschied sich für Burkina Faso und dann für Obervolta, um dort Hilfe für Brunnenbohrungen zu leisten, da das Land mehrere Jahre Dürre erlebt hatte. Als sie in den Grenzregionen zu Mali arbeiteten und sich mit Missionaren der Christlichen Missionarischen Allianz (CMA) unterhielten, stellten MCC-Arbeiter fest, dass es im Westen des Landes ethnische Gruppen gab, die noch von keinem christlichen Zeugnis erreicht worden waren. Als sie nordamerikanische mennonitische Missionsgesellschaften über diese offenkundige Missionsgelegenheit informierten, reagierte die African Inter-Mennonite Mission (AIMM) mit der Entsendung einer Delegation, um die Region zu besuchen und eigene Nachforschungen anzustellen. Die AIMM bestätigte die Anwesenheit von nicht evangelisierten Volksgruppen und erhielt die Genehmigung der CMA-Mission und der Kirche, die bereits in der Region tätig waren. Die ersten AIMM-Missionare trafen im August 1978 ein und ließen sich in Orodara nieder, einer multiethnischen Marktstadt inmitten der Bevölkerungsgruppen, mit denen die Mission zu arbeiten hoffte.

Die AIMM hatte die Strategie, dass Missionare unter den verschiedenen ethnischen Gruppen leben sollten, um tiefe Kenntnisse ihrer Sprachen zu entwickeln, um die gesprochene Sprache verschriftlichen zu können mit dem Ziel, die Bibel in die lokalen Sprachen zu übersetzen und Wege zu finden, Menschen zum christlichen Glauben einzuladen, so dass eine Kirche gegründet werden könne. Die Rolle dieser Mission umfasste sowohl die linguistische Arbeit als auch die Gemeindegründung. Die erste Taufe fand am 5. Oktober 1980 in Orodara statt, wo noch am selben Tag vier Missionare und fünf örtliche Gläubige die erste mennonitische Gemeinde im Land gründeten. Missionare ließen sich in den Dörfern der Senoufo, Siamou und Samogho nieder und waren dort tätig. In den Dörfern der Senoufo und Samogho entwickelten sich Gemeinden. Die Kirche war von Anfang an multiethnisch. Die EMBBF wurde eine autonome Kirche, die 1993 von der Regierung anerkannt wurde und im folgenden Jahr ihre ersten Pastoren, Siaka Traore und Abdias Coulibaly, ordinierte. Ähnlich wie im Falle der Mennonite Church Nigeria hat AIMM in Burkina Faso keine Schulen oder Gesundheitseinrichtungen eingerichtet, aber die EMCBF eröffnete 2013 eine Grundschule. Wie die Church of the Brethren in Nigeria entstand die EMBBF in einem Gebiet, das kaum vom christlichen Zeugnis erreicht worden war und wo traditionelle Stammesreligionen und der Islam wichtige Kräfte waren. Dies steht im Gegensatz zu den mennonitischen Kirchen in Ghana und Nigeria, die in den stark christianisierten Küstenregionen entstanden, in denen bereits zahlreiche christliche Traditionen in bedeutender Weise präsent waren.

Die Entwicklung der EMCBF ging in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts voran. Im Jahr 2007 zählte sie etwa dreihundert Mitglieder in neun Gemeinden und 2017 ungefähr neunhundert Mitglieder in zwanzig Gemeinden. Außer zwei Gemeinden in Bobo-Dioulasso und einer in Ouagadougou, der Hauptstadt, befanden sich alle anderen in der Provinz Kénédougou im Westen des Landes. In Orodara befindet sich der Sitz der Kirchenleitung. Die Vertreter der Gemeinden treffen sich dort einmal im Jahr zur Generalversammlung. Ein Exekutivausschuss übernimmt die Leitung der Kirche zwischen den Generalversammlungen. Die EMCBF ist Mitglied des Bundes evangelischer Missionsgesellschaften und Kirchen in Burkina Faso, der wichtigsten protestantischen und evangelikalen Vereinigung des Landes. In der Kirche gibt es aktive Frauen- und Jugendorganisationen und die Kirche richtet jährliche Frauen-, Jugend- und Kinderseminare aus. Die EMBBF setzt die von AIMM begonnene Bibelübersetzung fort und hat eine Reihe zusätzlicher Aufgaben wie örtliche Evangelisierungsinitiativen, die Missionsarbeit im Senegal, eine landesweite Initiative, die über AIDS aufklärt und von dieser Krankheit betroffene Familien unterstützt, der Betrieb eines Studentenwohnheims in Ouagadougou, ein Mikrofinanzprojekt und ein biblisches Trainingsprogramm für Verantwortliche in der Kirchenleitung. Die Kirche pflegt ihre Zusammenarbeit mit AIMM und dem MCC, die diese kirchlichen Aufgaben unterstützen. Wie in Ghana und Nigeria sind die Gottesdienste der Mennoniten in Burkina Faso lebhaft, aber ohne den pfingstlerischen Einfluss, wie man ihn in der Mennonite Church in Nigeria findet. Musik und Gebete sind voller Energie. Die Gemeinden verwenden traditionelle Musikinstrumente, aber auch modernes Schlagzeug, E-Gitarren und Keyboards kommen zum Einsatz.

R. Bruce Yoder

5. Zentralafrika (Kongo und Angola)

Die Mennoniten in West- und Zentralafrika gehen auf die Arbeit der verschiedenen Missionare zurück, die aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada seit 1911 kamen. Nach der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) wurde diese Arbeit von kongolesischen Pionieren weitergeführt. Die Mennonitengemeinden in Angola, in der Republik Kongo (Kongo Brazzaville) und in Namibia sind von der Missionsarbeit der Mennoniten aus der DR Kongo ins Leben gerufen worden. In den Jahren um 1955 entstanden in Ghana, Nigeria und in Burkina Faso durch die Initiative anderer Missionare ebenfalls Mennonitengemeinden. Die Mennonitengemeinden in der DR Kongo sind, nach Nord Amerika, weltweit die zweitgrösste Gemeinschaft der Mennoniten geworden.

Die Mission im Kongo

Aus Administrationsgründen unterlag die Evangelisation der Kontrolle des kongolesischen Staates. Er bestimmte, in welche Region die Missionare zum Evangelisieren gesandt wurden. So kamen die ersten mennonitischen Missionare in die Provinz Kasaï nach Ndjoko Punda, wo 1912 die ersten Mennonitengemeinden gegründet wurden. Die Communauté mennonite du Congo (CMCo) ist die älteste Konferenz und hat ihren Hauptsitz in Tshikapa (Kasaï). Sie zählt ca. 110.000 getaufte Mitglieder. 2012 hat sie in Tshikapa ihr hundertjähriges Jubiläum gefeiert. Die zweitgrösste Konferenz ist die Communauté des Eglises des frères mennonites au Congo (CEFMC). 1920 hat sich der amerikanische Missionar Aaron Janzen von der Congo Inland Mission (CIM), bis dahin einzige mennonitische Mission im Kongo, getrennt. Mit Unterstützung der Missionsbehörde der →Mennoniten Brüdergemeinden aus Nordamerika begann er 1922 in Kikwit eine neue Missionsarbeit. Die CEFMC ist 1922, mit Sitz in Kikwit, entstanden. Sie ist sowohl evangelistisch wie sozial sehr aktiv und zählt ca. 100.000 getaufte Mitglieder. Nach der Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 mussten die Personen, die aus einer anderen Provinz gekommen waren, Kasaï Occidental (Westkasaï) verlassen. Zahlreiche Personen, die Mennoniten geworden waren, mussten nach Kasaï Oriental (Ostkasaï) zurückkehren, besonders in die Umgebung um die Hauptstadt Mbuji-Mayi. Der angesehene Pastor Matthieu Kazadi Lukunda versammelte die verstreuten Mennoniten und im April 1962 wurde in Gegenwart des Missionsehepaares Graber, die Comunauté Évangélique Mennonite (CEM) mit Sitz in Mbuji-Maiyi gegründet. Die CEM hat ca. 20.000 getaufte Mitglieder. Sie ist ohne Hilfe von Missionaren außerhalb der DR Kongo entstanden. Diese drei Communautés (Konferenzen) sind Mitglied der →Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) und ebenso von Église du Christ au Congo (ECC). Die ECC kann als nationale ökumenische Organisation der Protestanten in der DR Kongo verstanden werden. Sie wurde 1924 ins Leben gerufen. Über 90 Kirchgemeinden gehören ihr in der ganzen DR Kongo an.

1998 enstand aus einer Abspaltung von der CEMCo die Communauté Mennonite Reformée du Congo (CMRCO). Sie hat ihren Sitz in Kinshasa und zählt ca. 8000 Mitglieder. Sie ist ebenso Mitglied der ECC. Bei der CMM hat sie ihre Mitgliedschaft beantragt. Vor vier Jahren ist, nach langem Personalstreit und Differenzen in dem Leitungsgremium, in der CEM eine neue Communauté enstanden, nämlich die Communauté Evangélique Mennonite au Congo (CEMC). Sie hat ihren Sitz in Kinshasa und zählt ca. 2000 Mitglieder. Sie hat sowohl bei der ECC, wie auch bei der MWK, ihre Mitgliedschaft beantragt.

Die Missionsarbeit hat den Einheimischen eine gute Grundlage geboten, so dass die Evangelisationsarbeit weitergeführt werden konnte. Die Gemeinden haben eine gute Infrastruktur, Häuser, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen, Institutionen für biblische Ausbildung, ebenso eine Agrarausbildung, die es den Menschen ermöglicht, für ihren

Ein täuferischer Lebensstil wurde nicht vermittelt. Eine täuferische Ethik, die →Nachfolge Jesu, wird, wie sie von den täuferischen Vorfahren gelebt wurde, auch um den Preis ihres Lebens Jesus nachzufolgen, von den Gläubigen nicht zur Geltung gebracht.

Die Mennonitenkirchen in Angola

Die Missionsarbeit und die Gründung von Mennonitengemeinden begann 1980 durch den Pastor Makanimpovi von der CEMCo, der nach Angola geflüchtet war. Die Konferenz nannte sich Igreja Comunidade Menonitas em Angola (ICMA), Gemeinschaft der Mennonitenkirchen in Angola. Nach der neuesten Statistik der MWK zählt sie 60 Gemeinden und ca. 11000 getaufte Mitglieder. Durch eine Spaltung bildete sich 1986 die Konferenz der Igreja Evangélica dos Irmãos Mennonitas em Angola (IEIMA), Evangelische Mennoniten Brüdergemeinde in Angola. Sie zählt 90 Gemeinden und 12000 getaufte Mitglieder. Auf Grund des Friedensabkommens zwischen den zwei Bürgerkriegsparteien 1992, das nur zwei Jahre hielt, sind viele angolanische Flüchtlinge in ihr Land zurückkehrt. Zu dieser Zeit entstand durch Christen, die zurückgekehrtwaren, eine dritte Mennonitenkirche, die Igreja Evangélica Menonitas em Angola (ITEMA), die Evangelische Mennonitenkirche in Angola. Sie zählt 19 Gemeinden und ca. 4800 getaufte Mitglieder. Diese drei Konferenzen sind Mitglied der MWK. Es gibt noch zwei andere Mennonitische Konferenzen, die nicht Mitglied der MWK sind. Die Igreja Evangélica Anabaptista em Angola mit 100 Gemeinden und etwas mehr als 1500 getauften Mitgliedern und die Igreja Menonita em Angola (IMA), Mennonitenkirche in Angola mit 12 Gemeinden und ca. 1300 getauften Mitgliedern. Insgesamt sind es ca. 30555 Mitglieder und 281 Gemeinden in Angola.

Es sind stabile Konferenzen und Gemeinden, die sich selbst finanzieren. Sie haben hundert ausgebildete Pastoren und sind in sieben Provinzen vertreten. Sie setzen sich für eine ganzheitliche Evangelisation ein, d. h. sie haben sowohl das geistliche wie das leibliche Wohl der Menschen im Blick. Sie unterhalten ihre eigenen Schulen und Gesundheitszentren.

Die Herausforderung für die Gemeinden ist nach 33 Jahren Bürgerkrieg groß. Die Konferenzen sind durch eine gemeinsame Organisation (CIMA) vereint, was sie stark macht. Die Mennonitengemeinden in Angola sind durch ihren Einfluss und ihre Arbeit für die pazifistische Lösung von Konflikten bekannt.

Die Zukunft der Mennonitengemeinden in Zentral- und Westafrika

Die Menonitengemeinden in Zentral- und Westafrika haben ihre Schwächen: Mangelnde Betreuung, Tribalismus, Okkultismus, Interessenkonflikte und unzureichende Verwaltung der eigenen Kirchengüter. Verstärkt wird diese schwierige Situation durch ökonomische Krisen des Landes, Armut und dürftige finanzielle Unterstützung der Gemeindearbeit durch die Mitglieder, eine kärgliche Ausbildung der Laien in den Gemeinden und alltägliche Bedrohungen durch Militär und Rebellen. Andererseits zeichnen sich die Gemeinden durch ein enormes Wachstum aus, sie nutzen die allgemeinen Kommunikationswege und Medien und erfreuen sich des Schutzes, den die Gesetze ihnen zur Ausübung der Gottesdienste gewähren. Sie haben Zukunft.

Francisca Ibanda

Bibliographie

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R. Bruce Yoder und Francisca Ibanda

 
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