Regensburg (s. auch Bayern)

1. Aus der amischen zur mennonitischen Gemeinde

Nach dem Tod des letzten amischen Ältesten im Jahre 1906 öffnete sich die Gemeinde für nicht-amische Mennoniten. 1907 schloss sie sich vorübergehend mit den Gemeinden in München und Eichstock zusammen (→Bayern). Die drei Gemeinden wurden bis in die 1980iger Jahre von einem gemeinsamen Prediger betreut.

2. Gemeindezentrum und Predigerhaus

Zwischen 1894 und 1966 traf sich die Gemeinde in der evangelisch-lutherischen Bruderhauskirche in Regensburg zu Gottesdienst und Gemeinschaft. 1966 baute sie in der Hartinger Straße 14 in Regensburg-Burgweinting ein Predigerhaus und ein Gemeindezentrum mit Gottesdienstsaal und weiteren Räumlichkeiten. Der Bau wurde von der Evangelisch-Lutherischen Kirche großzügig gefördert. Im Gegenzug nutzte die wachsende lutherische Gemeinde das Haus für Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen im Stadtteil. Das Grundstück war der Gemeinde von Babette Ringenberg geschenkt worden. Ebenso wie ihr großzügiges Wohnhaus, das unmittelbar danebensteht und seither „Ringenberghaus“ genannt wird. Dieses Haus diente zunächst als Seniorenheim (1957-1992) und wird heute als Studentenheim (seit 1994) und als Kinderstube (1997-2016) genutzt.

3. Gemeindeorganisation und Gemeindeleben

Wichtigstes Gremium der Gemeinde ist die mindestens einmal im Jahr stattfindende Gemeindeversammlung. Ein Leitungskreis ist für die laufenden Aufgaben zuständig. Die Prediger(innen) bzw. der Pastor oder die Pastorin sind dem Leitungskreis beigeordnet. Zum Gemeindeleben gehören neben den 14-tägig stattfindenden Gottesdiensten regionale Kleingruppen (Bibelstunden, Hauskreise, etc.), Glaubensunterweisung für die junge Generation, Seminare und Gemeindegespräche. Die Gemeinde ist in der Ökumene und im Ortsgeschehen in Burgweinting engagiert. Glauben und Gemeinde werden durch Matineen und Seminarangebote vorgestellt.

Die Gemeindeglieder Denise und Rolf Landes engagieren sich seit 1996 für die Aidshilfe in Kapstadt/Südafrika und gründeten dazu einen Arbeitskreis. Das zunächst gemeindeinterne Projekt, „KinderAIDShilfe Südafrika“, wurde mit der Gründung einer Stiftung 2010 selbstständig.

Bereits in den 1990er Jahren gab es strategische Überlegungen, Tochtergemeinden in Niederbayern oder in der nördlichen Oberpfalz zu gründen. 1998 wurde die Tochtergemeinde Landau an der Isar nach einer mehrjährigen Vorbereitung in die Selbstständigkeit entlassen. 2005 entstand dann die Gemeinde Schwandorf. Diese Gründung war nicht von der Mutterkirche gewollt oder geplant, sie entstand vielmehr aus Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeinde. Heute versteht sich die neue Gemeinde als Tochtergemeinde Regensburgs. Beide Gemeinden pflegen ein versöhntes Miteinander.

Die Gemeinde ist einem starken Veränderungsprozess ausgesetzt. Personen aus traditionell mennonitischen Gemeinden verlieren Interesse am Gemeindeleben. Zugleich finden andere Personen und Familien gerade in dieser Gemeinde ihr geistliches Zuhause. Dieser Prozess wird sowohl bereichernd als auch herausfordernd erlebt. Werte und Gemeindekultur werden hinterfragt und viele Gemeindemitglieder erfahren eine Erneuerung ihres Glaubens.

Die Gemeinde zählt 83 getaufte Mitglieder (1995: 135) und rechnet mit etwa 50 Gottesdienstbesuchern. Sie gehört dem Verband deutscher Mennonitengemeinden (VdM) an, ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG) und arbeitet im Jugendwerk Süddeutscher Mennonitengemeinden (juwe) mit. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Quellen

Ellen Risser-Horsch, Regensburg, in: VdM (Hg.), Aufbrechen. Mennonitische Gemeinden im Verband seit 150 Jahren, Sinsheim o. J., S. 110 f. - Hermann Hage und Wilhelm Unger, Die Mennonitengemeinde Regensburg-Burgweinting, in: Vom Dorf zum Stadtteil und 20. Jahrhundert - Vom Bauernland zum Baugebiet, 200 Jahre Mennonitengemeinden in Bayern, erscheint 2018. - Helmut Funck (Hg.), Toleranz bejahen, Jesus Christus bekennen, o. O. 2002, S. 131 ff.

Postanschrift: Hartingerstr. 14, 93055 Regensburg

Internet

http://www.mennoniten-regensburg.de

Wilhelm Unger

 
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