Kenya Mennonite Church

Die Kenya-Mennonite-Church (KMC) kann mittlerweile ihr mehr als siebzigjähriges Bestehen feiern. Die meisten der über hundert Gemeinden, die die KMC bilden und die in sieben Diözesen organisiert sind, befinden sich in Westkenia entlang des Küstenstreifens am Viktoriasee, einer Region, die sich von der Grenze zu Tansania nach Norden hin bis zur Provinstadt Kisumu und darüber hinaus erstreckt. Fünf kleine Gemeinden haben ihre regelmäßigen Zusammenkünfte in der Hauptstadt des Landes und vier in Küstenstädten am Indischen Ozean. Die Anzahl der getauften Gläubigen beträgt mehr als 5000, während mehr als 11 000 Personen regelmäßig die Sonntagsgottesdienste besuchen. Die Zentralverwaltung der KMC befindet sich in der Stadt Kisumu am Ufer des Viktoriasees mit Philip Okeyo als ihrem leitenden Bischof.

1. Anfänge der Mennonitengemeinden in Kenia, Tansania und Uganda

Die Anfänge der KMC gehen auf das Jahr 1942 zurück. Damals hatten junge Leute der mennonitischen Missionsstation Shirati in der Nordwestecke von Tanganjika, dem heutigen Tansania, einen evangelistischen Vorstoß in die Südwestregion Kenias unternommen. Diese jungen Leute waren von einer spirituellen Erneuerungswelle ergriffen worden, die als Ostafrikanische Erweckungsbewegung (East Africa Revival Movement) bekannt ist. Diese Bewegung, die ein Jahrzehnt früher in Ruanda begann, hatte außerordentlichen Einfluss auf Mennoniten und andere kirchliche Gemeinschaften in den ostafrikanischen Ländern Kenia, Tansania und Uganda.

2. Entwicklungen in Kenia

Diesen evangelistischen Bemühungen in Kenia durch tanganjikanische mennonitische Jugendliche folgten die Entsendung eines tanganjikanischen Pastors und die Schulung von Gläubigen, die mit den jungen Evangelisten in Berührung gekommen waren. Später erfuhren diese frühen pastoralen Bemühungen eine Erweiterung, als der tansanische Bischof Zedekiah Kisare ein amerikanisches Missionarsehepaar beauftragte, die verstreuten Gruppen der Gläubigen in organisierten Kirchengemeinden zusammenzuführen. Infolge dessen wurde eine beachtliche Anzahl von Pastoren ordiniert, um den wachsenden Kirchengemeinden dienen zu können.

Vor der politischen Unabhängigkeit (1961 in Tanganjika/Tansania und 1963 in Kenia) unterhielten die Mitglieder der noch jungen KMC starke familiäre und kirchliche Verbindungen mit Gemeinschaften in beiden von der UN verwalteten Gebieten Tanganjika und Kolonial-Kenia. In ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung weist die KMC eine Vielzahl von ethnischen Gruppen auf, sowohl Vertreter der Luo und Massai (beide nilotischsprachliche Ethnien am Viktoriasee zwischen Kenia und Tansania), auch der Suba, der Kuria, der Luhya und der Kikuyu, die durch die Bantusprache vereint sind.

Vor ihrer Zulassung am 8. Januar 1975 als Mennonitische Kirche in Kenia galten die Mennonitengemeinden im Lande als Gemeinschaften, die unter der Zuständigkeit des tansanischen Bischofs Zedekiah Kisare standen. Inzwischen wurde eine bedeutende Anzahl von Mennoniten aus Westkenia Einwohner von Nairobi und Mitglieder der Gemeinden in dieser Stadt. Sie bot Möglichkeiten für weiterführende Studien in Bildungseinrichtungen und Beschäftigung in formellen Wirtschaftssektoren und in Bereichen der Schattenwirtschaft.

3. Zulassung als Mennonitische Kirche in Kenia

Im Jahr 1975 war die KMC eine der 29 registrierten Mitgliedskirchen des Nationalen Rates der Protestantischen Kirchen von Kenia (National Council of [Protestant] Churches of Kenya), dem NCCK. Eine NCCK-Mitgliedskirche wie die Anglikanische Kirche von Kenia kann ihren Ursprung in die Mitte der 1840er Jahre zurückführen, als die ersten Missionare aus Großbritannien ankamen. Heute gelten annähernd 80 % der Bevölkerung Kenias als Christen. Sie gehören einem breiten Spektrum von protestantischen und katholischen Missionskirchen, unabhängigen afrikanischen Kirchen und modernen Pfingstkirchen an.

Die Wurzeln der KMC führen zurück nach Nordwesttansania, wo Missionare der Eastern Mennonite Mission Mitte der 1930er Jahre angekommen waren, finanziell unterstützt von der Lancaster Mennonite Conference of Pensylvania, USA. Mennoniten von Lancaster und Umgebung waren im frühen 18. Jahrhundert im Zuge von William Penns „Heiligem Experiment“ (Holy Experiment) aus Süddeutschland nach Pennsylvania emigriert. Die Linie ihrer täuferischen Vorfahren geht in die Schweiz des 16. Jahrhunderts zurück. 1978 ist die KMC Mitgliedskirche der →Mennonitischen Weltkonferenz geworden und genießt dadurch die Beziehungen mit der weltweiten täuferisch-mennonitischen Glaubensgemeinschaft.

Literatur

Francis S. Ojwang und David W. Shenk (Hg.), Forward in Faith: A Seventy-Year-Journey 1942-2012. History of the Kenya Mennonite Church, Nairobi (Kenia) 2015.

Harold Miller

 
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