HoHe-Gruppe (Niederlande)

1. Entstehung der Arbeitsgruppe

Die Arbeitsgruppe HoHe entstand nach der →Mennonitischen Weltkonferenz in Straßburg 1984. Dort traf sich eine Gruppe mennonitischer Männer und Frauen homosexueller Ausrichtung aus den Niederlanden, Deutschland, den Vereinigten Staaten und Frankreich. Sie sprachen unter anderem über die Position homosexueller Brüder und Schwestern in ihren Gemeinden und Konferenzen. Nach Straßburg hat sich in den Niederlanden eine Gruppe als Initiative zur Verbesserung der Beziehungen zwischen homo- und heterosexuellen Menschen in Gemeinden und in der Bruderschaft gebildet.

1985 suchte die Arbeitsgruppe den Kontakt mit der Gemeenschap voor Doopsgezind Broederschapswerk (GDB), die sich auf Training, Bildung und Kommunikation richtet, und erhielt deren Unterstützung. 1988 wurde diese Arbeitsgruppe offiziell vom GDB eingesetzt.

2. Ziel der Arbeitsgruppe

Das Ziel dieser Arbeitsgruppe war und ist die Verbesserung der Beziehungen zwischen homosexuellen und heterosexuellen Gemeindegliedern. Dabei ist der Ausgangspunkt der Text aus Gal. 3,26-28: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Die Gruppe ist sich bewusst, dass der biblische Befund in dieser Frage nicht eindeutig ist, ebenso aber, dass in der Bibel an keiner Stelle über das gesprochen wird, was heute als Homosexualität angesprochen wird (Genesis 19: 1-19, Richter 19: 22-26, Leviticus 20:13). Was die anzuführenden Bibelstellen meinen, sind Hinweise auf sexuelle Verfehlungen, zumeist mit religiösen Riten verbunden, z.B. Römer 1: 18-32, und in Leviticus 18: 22-26. Für die Arbeitsgruppe, kurz „Arbeitsgruppe Ho-He“ (homosexuell/heterosexuell) genannt, ist die biblische Aussage des Galaterbriefs zentral, dass in Christus alle eins seien.

Die Gruppe geht davon aus, dass die Gesellschaft sich geändert hat und die Sexualität nicht mehr einzig und allein der Fortpflanzung dient. Sexualität wird von dieser Gruppe vor allem als Grundlage für eine dauerhafte, bleibende Beziehung gesehen. In der Arbeitsgruppe war vor allem die Absicht klar, die Überzeugung zu verdeutlichen, dass Gottes befreiende Gerechtigkeit nicht bestärkt wird, wenn die Bibel als Gesetzbuch verstanden wird. Sie öffnet vielmehr jedem Menschen den Raum, den er braucht, um sich selbst zu sein zu können, und gewährt ihm ein Recht, seinem Leben auf eigene Weise Gestalt zu geben.

Für die Arbeitsgruppe schließt der Begriff „Homosexualität“ einen weiten Kreis ein: lesbische Frauen, homosexuelle Männer, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle. In diesem Rahmen organisierte die Arbeitsgruppe Wochenenden der Begegnung, speziell für „Seelenverwandte“, um zu sich selbst finden zu können und sich angenommen zu fühlen. So war die Arbeitsgruppe auch besonders für Eltern ein Ansprechpartner.

3. Aktivitäten und Kontakte im In- und Ausland

Es wurden verschiedene Aktivitäten organisiert und Themen erörtert, sich mit den Beziehungen zwischen homo- und heterosexuellen Menschen in den Gemeinden befassten. Ein Mal im Jahr fand ein Informationstag für aktive Gemeindemitglieder und Interessierte statt. Auch setzte die Arbeitsgruppe sich dafür ein, die Diskussion im Zusammenhang mit der Einsegnung nichtehelicher Beziehungen in den Gemeinden zu führen.

Geworben hat diese Arbeitsgruppe auch auf nationalen und internationalen mennonitischen Zusammenkünften z. B. auf der Mennonitischen Weltkonferenz in Winnipeg (1990), wo zum ersten Mal ein Workshop mit dem Titel How do we relate, hetero- and homosexual members in the congregation? Angeboten wurde. Es gab 250 Workshops im Verlauf dieser Konferenz. Keith Schrag (im Namen der Brethren/Mennonite Council for Lesbian and Gay concerns, kurz BMC), Daniel Geiser (Kanada) und Renze Yetsenga (Algemene Doopsgezinde Societeit, Niederlande) leiteten diese Workshops. Allerdings wurden diese Workshops auch von teilweise heftigen Protesten begleitet.

Auf der Mennonitischen Europäischen Regional Konferenz (MERK) in Colmar (1996) wurde ein geplanter Workshop im letzten Moment aus dem Programm genommen. Die Arbeitsgruppe suchte auch Kontakte zu anderen kirchlichen Organisationen in den Niederlanden gepflegt, z. B. zum nationalen Koordinationspunkt für Kirche und Homosexualität. Inzwischen hat die Aktualität der Workshops nachgelassen, doch die Frage nach der Akzeptanz der sexuellen Verschiedenheit ist geblieben.

Babs Birza und Carin Dassel

 
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