Christliche Dienste

1. Gründung und Trägerwerke

Die Organisation Christliche Dienste (CD) wurde 1984 (1986) von mennonitischen Werken in Diakonie, Friedensarbeit, Mission und Hilfswerk gegründet. Aufgabe und Ziel von CD war von Anfang an eine ganzheitliche Mission: „Förderung eines christlich motivierten Dienstes“, der jungen Menschen Möglichkeiten zum Dienst anbieten und dafür werben sollte. Gespräche dazu begannen, angeregt durch das Mennonitische Hilfswerk Christenpflicht, 1983 in verschiedenen mennonitischen Gremien und Werken. Nach Gesprächen während der →Mennonitischen Weltkonferenz im Juli 1984 wurde beschlossen, das neue Werk CD zu wagen. Trägerwerke sind: Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee (DMFK), Deutsches Mennonitisches Missionskomitee (DMMK), Mennonitisches Hilfswerk (MH), Tagungsstätte Thomashof, Menndia sowie die mennonitischen Jugendwerke (juwe, MJN). Vorsitzender war bis 2012 Klaus Hübert, von 2012 bis 2018 leitete Marit Unger-Fellmann CD, und seit 2018 werden sie von Simon Schlepphege geführt.

CD wurde in den bestehenden Mennonite Voluntary Service (→Mennonitischer Freiwilligendienst) eingebettet und ist seit 1992 nach der Trennung vom niederländischen Zweig (Work Camps) als einziger Arbeitszweig mit dem Verein identisch.

Im Oktober 1986 begann die konkrete Arbeit mit Barbara Hege-Galle als Geschäftsführerin. Bereits 1988 reisten die ersten fünfzehn CD-Freiwilligen nach Kanada, USA, Brasilien, Paraguay und Spanien aus.

1989 wurde CD als Träger für den anderen Dienst im Ausland nach §14 b Zivildienstgesetz anerkannt. 1991 gab die IMO (Internationale Mennonitische Organisation, →Mennonitische Hilfswerke in Deutschland) ihr Freiwilligenprogramm (Fachdienst) auf. CD übernahm die bestehenden Verpflichtungen, das Programm wurde jedoch nicht weiter ausgebaut. Ab 1. Juli 2018 geht die Geschäftsführung von Barbara Hege-Galle an Megan Rosenwink über. CD hat zu diesem Zeitpunkt 6,8 Stellen, inkl. eine Freiwilligen-Stelle (50 % für Pädagogik und 50% für Geschäftsführung und Verwaltung). Das Team besteht aus 9 Personen (CD-Jahresarbeitsbericht 2017, CD-Statistik 2017).

2. Unterstützung durch staatliche Fördermittel

CD-Freiwillige waren von Anfang an überwiegend ohne Berufsausbildung. Etwa die Hälfte leistete den Dienst anstelle des Zivildienstes. Die meisten Freiwilligen waren in mennonitischen Werken und Einrichtungen der USA, Kanadas, Brasiliens und Paraguays eingesetzt, die die Kosten vor Ort trugen. Die Bildung von Unterstützungskreisen durch die Freiwilligen wurde ein wesentliches Element zur Finanzierung der Dienste.

Das 2008 durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eingeführte Programm weltwärts (entwicklungspolitischer Freiwilligendienst) eröffnete eine neue Ära. CD beschloss, staatliche Fördermittel aus dem Programm einzusetzen. So konnten die Dienstmöglichkeiten ausgeweitet und mehr Personal beschäftigt und verstärkt Partnerschaften in Ländern des Südens wahrgenommen werden, die eine volle Finanzierung für die Einsatzstellen von CD brauchen. 2011 führte das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Förderprogramm Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD) ein, für den CD auch als Träger anerkannt wurde. Hierüber werden Fördermittel für Dienste in Nordamerika und Europa beantragt.

Nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sind nur noch ca. ein Drittel der Freiwilligen männlich.

3. Weltweiter Einsatz

2018 hat sich die Zahl der ausreisenden Freiwilligen bei durchschnittlich 70 Personen etabliert. Dazu kommen ca. 10 Freiwillige aus dem Ausland nach Deutschland. Etwa ein Viertel der Freiwilligen stammt aus verschiedenen mennonitischen Gemeinden, rund die Hälfte aus anderen Freikirchen.

Die Freiwilligen werden durch Seminare (insgesamt zwölf Tage) auf ihren Dienst vorbereitet. Inhalte der Vorbereitung sind: Reflexion der eigenen Prägung, Dienstverständnis, interkulturelle Themenfelder, organisatorische Fragen sowie Rechte und Pflichten der Freiwilligen. Vor Ort werden die Freiwilligen in ihre Stelle eingeführt. In der Mitte des Dienstes findet im Einsatzland in der Regel ein Seminar zur Zwischenreflexion statt. Nach Rückkehr bietet CD ein Rückkehrseminar an, bei dem der Dienst ausgewertet, Erfahrungen ausgetauscht sowie die Rückkehr reflektiert werden kann.

CD-Freiwillige verpflichten sich in der Regel für ein Jahr. 2017/18 sind Freiwillige im Dienst in Bolivien (5), Indien (1), Kanada (11), Paraguay (12), Portugal (1), Senegal (2), Tansania (11), Thailand (5), Uruguay (3) und USA (20). Aktive Kontakte bestehen außerdem nach Brasilien, Korea, Kenia und Südafrika. In der Vergangenheit gab es Einsätze auch in Bosnien, Ecuador, Frankreich, Jordanien, Kasachstan, Kirgistan, Litauen, Mozambique, Palästina, Rumänien, Russland Spanien, Tschad, Türkei und der Ukraine. Für die Einreise brauchen die Freiwilligen in der Regel längerfristige Visa. Diese zu beschaffen ist in vielen Ländern ein langwieriger, aufwendiger, mitunter kostspieliger Prozess, der eher komplizierter als einfacher wird. Freiwillige und Partner sind hierbei gleichermaßen betroffen. Die Zusammenarbeit mit den Partnern in Brasilien musste z. B. für einige Jahre eingestellt werden, weil für Freiwillige keine Visa zu bekommen waren.

Von Freiwilligen wird erwartet, dass sie engagierte Christen sind. CD bot ihnen die Möglichkeit, ihren Glauben praktisch zu leben und andere Lebensweisen kennen zu lernen. Gleichzeitig unterstützt CD durch die Freiwilligen die Partner vor Ort in ihrer Arbeit. Zurückgekehrte Freiwillige bringen interkulturelle Kompetenz mit, die sie in ihr (neues) Umfeld einbringen und die ihren Lebensentwurf prägen.

CD ist Mitglied in der AGDF (Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden), dem Dachverband für Freiwilligen- und Friedensdienste im evangelischen Raum, sowie im evangelischen Forum für entwicklungspolitischen Freiwilligendienst (eFeF). CD ist zertifiziert nach Quifd (Qualität in internationalen Freiwilligendiensten).

Quellen

Gehet hin und lernet, 20 Jahre Christliche Dienste Freiwilligendienst weltweit (Jubiläumsschrift). - Barbara Hege-Galle, Christliche Dienste in: Mennonitisches Jahrbuch 1999 (S. 63 ff.). - Chronik des Mennonitischen Jahrbuchs seit 1987.

Internet

https://www.christlichedienste.de/

Barbara Hege-Galle

 
www.mennlex.de - MennLex V :: loc/christliche-dienste.txt · Zuletzt geändert: 2018/06/22 11:13 von bw     Nach oben
© 2010 - 2016 Mennonitischer Geschichtsverein e.V. | Impressum | Kontakt: webmaster@mennlex.de | Umsetzung: Benji Wiebe, mennox.de |
Artikel drucken
| ODT Export | PDF Export