Aussiedler

1. Die Russlanddeutschen Mennoniten

Etwa ein Drittel der westpreußischen Mennoniten wanderte nach der Annexion Polens durch Preußen ab 1789 in die Ukraine aus und gründeten zunächst bei Saporoshje die „Alte“ Kolonie Chortitza und dann bei Melitopol die Molotschna-Kolonie. Dort erarbeiteten sich die Mennoniten als Bauern und als Gewerbetreibende in überwiegend geschlossenen, deutschsprachigen, familienkirchlich geprägten „Kolonien“ Wohlstand und Ansehen. Unter dem Eindruck erwecklicher Predigt um die Mitte des 19. Jahrhunderts sonderten sich dort „Mennoniten-Brüdergemeinden“ von den „Kirchlichen Mennoniten“ ab. Die Revolution von 1917, die Enteignung des bäuerlichen Grundbesitzes (Dekulakisierung) sowie die Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs zerstörten diese mennonitische Welt. Die meisten Mennoniten wurden deportiert oder in den Nachkriegsjahren nach Sibirien in die „Arbeitsarmee“ (Trudarmija) verbannt. Nur die im Omsker Gebiet am Ural und im Altai Gebiet lebenden Mennoniten blieben weitgehend von der Verschleppung verschont. Als nach 1956 die Zwangsarbeit in der „Trudarmija“ gelockert wurde, zogen viele in die zentralasiatischen Republiken, vor allem nach Kasachstan. Als Folge der Verträge der Bundesrepublik Deutschland mit den Ostblockstaaten Anfang der 1970er Jahre setzte eine wachsende Welle der Rückwanderung von etwa 2,4 Mio. deutschstämmigen Sowjetbürgern ein, die sich auf Artikel 116 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland berufen konnten. Mit ihnen kamen etwa 250.000 Menschen, die einen traditionell mennonitischen Namen trugen. Viele sprachen „plautdietsch“, das sie auch heute noch pflegen und das teilweise ihre Identität bestimmt.

Die russlanddeutschen Mennoniten hatten es in der Sowjetunion nicht leicht gehabt, sich in Gemeinden zusammenzufinden und miteinander deutsche Gottesdienste zu feiern. Viele fanden Aufnahme bei den EvangeliumsChristen-Baptisten (EChB), die in der Regel russisch sprachen und evangelikal geprägt waren. Sie verloren so im Laufe der Zeit trotz einzelner Kontakte zur →Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) und zum →Mennonite Central Committee (MCC) den Bezug zu mennonitischen Geschwistern. Da sie in den Zeiten der Verfolgung und Verbannung nie mennonitische Gemeinden kennen gelernt hatten, vermissten sie diese auch nicht. Diejenigen, die sich schon in Mittelasien, Sibirien oder Orenburg in Gemeinden der Kirchlichen Mennoniten oder der Mennoniten-Brüder gefunden hatten, versuchten ihre täuferisch-mennonitische Tradition und die deutsche Sprache zu bewahren. Weil viele Mennoniten, vor allem Brüdergemeindler, sich bereits in der Sowjetunion Baptisten- und EvangeliumsChristen-Baptistengemeinden angeschlossen hatten, brachte ein Teil der Rückwanderer dort gewonnene Erfahrungen mit. Es wird geschätzt, dass in Gemeinden, wie den EvangeliumsChristen-Baptisten, etwa 45% einen mennonitischen Hintergrund hatten und in mennonitischen Gemeinden etwa 20% baptistischer Herkunft waren. Vermutlich blieb die Mehrheit der mennonitischen Russlanddeutschen ohne Gemeindeanschluss in der UdSSR und fand dann auch in Deutschland nur noch selten den Weg in eine täuferisch-mennonitische Gemeinde.

2. Aussiedler in Deutschland

Die Aussiedler kamen aus allen Teilen der ehemaligen Sowjetunion. Viele planten gemeinsam die Auswanderung oder folgten denen, die voraus gezogen waren. Sie bevorzugten bei ihrer Niederlassung die Nachbarschaft anderer Russlanddeutscher. Nur ein knappes Drittel schloss sich in Gemeinden mit täuferisch-mennonitischem Charakter zusammen. Die Aussiedler sahen die Gemeinde als einen Schutz- und Rettungsort an, in dem sie Gemeinschaft erlebten, Erfahrungen austauschten und Hilfe finden konnten. Sie blieben unter sich und schlossen sich weitgehend von ihrer Umgebung ab.

Die russlanddeutschen Mennoniten ließen sich überall in den alten Bundesländern nieder und bildeten Schwerpunkte in Ostwestfalen (Bielefeld), im Westerwald (Neuwied), im Rheinland und in Baden-Württemberg. Sie legten Wert darauf, nahe beieinander zu wohnen, und ließen sich vielfach von demselben Arbeitgeber anstellen. Sie bildeten rasch Gemeinden, in denen sie Bekannte und Verwandte fanden. Ihre gottesdienstlichen Versammlungen hielten sie zunächst in gemieteten Räumen ab. Dann errichteten sie in rascher Folge und mit hohem Einsatz von Spenden und Arbeitsaufwand eigene Gemeindehäuser, die für Gottesdienste und kleine Gruppen Raum boten. Die erste Gemeinde entstand 1972 im westfälischen Paderborn (Baptisten und Mennoniten Brüdergemeinde) gefolgt von Gründungen in Bonn und Bielefeld-Heepen (1974).

Es bleibt festzuhalten, dass das Selbstverständnis der Aussiedler trotz vieler Gemeinsamkeiten doch auch verschieden ist. Die Erfahrungen und die Erwartungen waren nicht überall dieselben; auch spielte der Zeitpunkt der Aussiedlung eine Rolle. Dazu kamen unterschiedliche Sprachkenntnisse und berufliche Ausbildungsgänge. Die Aussiedler orientierten ihre Vorstellungen an Erzählungen und Beschreibungen aus dem 19. Jahrhundert und waren von den Erfahrungen der Nachkriegszeit geprägt. Sie trafen nun auf Entwicklungen, die damit nur schwer in Einklang zu bringen waren. Der Pluralismus der Wertvorstellungen in Politik und Gesellschaft verunsicherte die Aussiedler, vor allem dort, wo sie klar umrissene Grundsätze mitgebracht hatten.

Die Menschen in der Bundesrepublik begegneten den Russlanddeutschen mit Zurückhaltung, manchmal auch mit Abneigung. Diese fielen durch ihre Sprache auf; ihr Akzent war hart und ihre Sprachmelodie ungewohnt, dazu gebrauchten sie Begriffe, die unbekannt oder mit anderem Inhalt gefüllt waren. Viele nahmen ihnen übel, dass sie untereinander fest zusammenhielten und sich abgrenzten. Andererseits mussten sich die Einwanderer mit dem Futterneid ihrer neuen Mitbürger auseinandersetzen. Die Aussiedler waren eine deutlich unterscheidbare Gruppe.

Die russlanddeutschen Ankömmlinge empfanden Hilfsangebote der deutschen und niederländischen Mennoniten eher als bevormundend; sie führten nicht zur Vertiefung der von den eingesessenen Mennoniten angestrebten Kontakte. Die Angebote trafen offensichtlich weder die Bedürfnisse noch die Erwartungen der Aussiedler, die sich ihrerseits auch von der Begegnung mit den eingesessenen Mennoniten enttäuscht zeigten, weil diese sich in ihrem Verhalten wenig von ihrer Umgebung unterschieden. Die Vorbehalte der russlanddeutschen gegenüber den einheimischen Mennoniten sind zahlreich. Kritikpunkte sind die Frömmigkeit, der theologische Pluralismus, die Stellung der Frau und die Mitarbeit in der Ökumene.

So begegneten die Aussiedler dem anfänglichen Werben der Eingesessenen

zunächst mit Vorsicht und dann mit Ablehnung, was dort zu Enttäuschung und Frustration führte. Dennoch werden Angebote der Einheimischen wie „Christliche Dienste“ (CD) oder die Mennonitische Forschungsstelle (MFSt) auf dem Weierhof (Pfalz) gern genutzt. Dagegen pflegen die Aussiedler den Kontakt zu kanadischen Mennoniten, mit denen sie die Herkunft aus Russland teilen. Nur ein kleiner Teil der russlanddeutschen Gruppen (Konferenzen) ist Mitglied in der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK).

3. Gemeindeleben

Die meisten Gemeinden der Aussiedler zeichnen sich durch große Ernsthaftigkeit und Frömmigkeit aus. Dies zeigt sich in den reich gestalteten Gottesdiensten, die neben Lesungen ein oder auch zwei Predigten enthalten und durch den Wechsel zwischen Chor- und Gemeindegesang, Gebet und Gebetsgemeinschaften strukturiert und durch Gedichtvorträge und Bekenntnisse, Anliegen und Mitteilungen ergänzt werden. Die sonntäglichen Veranstaltungen sind gut besucht; nicht selten übersteigt die Zahl der Predigthörer die der Gemeindeglieder. Der Gemeindegesang wird gepflegt; viele Gemeinden unterhalten einen oder mehrere Chöre und sorgen für die Schulung und Ausbildung der Chordirigenten. Bei den Gottesdiensten und sonstigen Gemeindeveranstaltungen beeindruckt die Zahl der jugendlichen Teilnehmer; sie unterstreicht die Zukunftsfähigkeit der Gemeinden auf eindrucksvolle Weise. Außer den mehrstündigen Gottesdiensten finden während der Woche Bibelstunden und Gebetszusammenkünfte statt. Diese dienen nicht so sehr der Wissensvermittlung, sondern eher dem Austausch untereinander und der Besinnung. Die Jugendarbeit wird intensiv betrieben. In manchen Gemeinden wird immer noch die russische Sprache im Alltag und bei Gottesdiensten gebraucht.

4. Schule und Ausbildung

Die christliche Erziehung der Kinder wird in einer gottfernen Welt als eine besondere Aufgabe aufgefasst, deshalb gründeten die Aussiedler in Ostwestfalen fünf Privatschulen, an denen christliche („wiedergeborene“) Lehrer nach den staatlichen Lehrplänen unterrichten. Neben der Wissensvermittlung sind die Hinführung zur christlichen Gemeinde und die Erziehung zu standfesten Christen Ziel der Schulen.

An mehreren öffentlichen Schulen wird in Rheinland-Pfalz seit 1979 und in Hessen seit 2001 „Mennonitische Religionslehre“ als Unterrichtsfach angeboten, der von mehreren Gemeinden getragen und nach dem „Frankenthaler Lehrplan“ erteilt wird. Die beiden Bundesländer kommen für die Sach- und Personalkosten auf. Die Mennoniten-Gemeinde Frankenthal (Pfalz), deren Mitglieder überwiegend aus Karaganda, Kasachstan, gekommen waren, erarbeiteten erstmals Anfang der 1990er Jahre im Auftrage des Ministeriums für Bildung und Kultur in Rheinland-Pfalz und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben einen Lehrplan für den bekenntnisorientierten (mennonitischen) Religionsunterricht. Dieser Lehrplan umfasst den Stoff für alle Jahrgangsstufen.

Die theologische Grundhaltung ist „biblikal“ und konservativ, gemeindeorientiert und auseinandersetzungsscheu. Vor diesem Hintergrund findet die Auseinandersetzung mit den Problemen von Zeit und Welt statt. Das typisch täuferisch-mennonitische Thema „Gemeinde“ wird ausführlich abgehandelt. Taufe und Abendmahl werden im Zusammenhang mit dem „Schleitheimer Bekenntnis“ von 1527 erörtert.

Das Priestertum aller Gläubigen nach 1. Petr 2, 9 wird hochgehalten: Es wird gewünscht, dass viele in unterschiedlichen Funktionen - auch auf Zeit - der Gemeinde dienen. Diese Mitarbeit wird in der Regel gern übernommen. In den Gemeinden dienen viele Brüder mit dem Wort und übernehmen Kasualien und andere Dienste. Frauen werden aus grundsätzlichen, teils biblischen, teils traditionellen Erwägungen nicht herangezogen. Sie arbeiten aber in der Jugendarbeit, im Kindergottesdienst und in anderen Bereichen mit. Grundsätzlich dienen Laien in den Gemeinden als Älteste, Prediger und Diakone. Sie werden aus der Mitte der Gemeinde durch Wahl berufen. Sie gehen in der Regel einem weltlichen Beruf nach, sie sind weder akademisch ausgebildet noch sind sie für die Aufgabe anders als durch Gebet und die lebenslange Beschäftigung mit der Bibel vorbereitet. Heute werden immer mehr Brüder ermutigt, an Universitäten oder Seminaren zu studieren und sich dann den Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Dennoch sind bisher nur wenige Prediger hauptamtlich angestellt.

Der Bund Taufgesinnter Gemeinden (BTG) gründete gemeinsam mit anderen Trägern 1993 das Bibelseminar Bonn (BSB) mit dem heutigen Sitz in Bornheim bei Bonn zur Ausbildung von Predigern und Gemeindemitarbeitern. Das BSB beruft sich auf die baptistisch-mennonitische Glaubenstradition und ist dem „Southwestern Baptist Seminary“ in Fort Worth, Texas, partnerschaftlich verbunden. In Bonn werden Studenten in täglichen Vorlesungen, im Blockunterricht und durch Fernunterricht ausgebildet.

Im ostwestfälischen Detmold wurde 1996 ein Museum zur Kultur und Geschichte der Deutschen in Russland gegründet, das im Sommer 2011 nach Renovierung mit erweiterten Sammlungen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es will den Besuchern die russlanddeutsche Kultur und Geschichte zeigen.

5. Theologisches Denken

Die aus Russland mitgebrachten Grundsätze prägen theologisches Denken und religiöses Leben auch in Deutschland. Viele hatten in der UdSSR jahrelang auf Bibeln verzichten müssen. Bei der Verkündigung blieben sie auf ihr Gedächtnis, auf Handschriften und auf Kalenderblätter angewiesen. Diese Beschränkungen beeinflussten ihren Zugang zur Bibel. Ein oft vordergründiger Biblizismus lässt sie - auch heute - auf gelehrtes Beiwerk oder Hintergrundinformationen verzichten. Die „Bibeltreue“ ist ein wichtiger Maßstab, um Christen von Namenschristen zu unterscheiden. Vom Bibeltext, den sie unmittelbar aufnehmen, erwarten sie eine sichtbare Auswirkung im Leben des Einzelnen und benutzen ihn vielfach als Anleitung zur Bewältigung der täglichen Probleme. Sie wollen ein gottgefälliges und bibelgemäßes Leben führen.

Vor allem in Mennoniten-Brüdergemeinden wird Wert auf Bekehrung und Wiedergeburt des Einzelnen gelegt. Von Gemeindezucht (Ermahnung, Ausschluss vom Abendmahl, Gemeindeausschluss) wird nicht nur gesprochen, sie wird auch geübt. Anlässe sind Irrlehre und sittliches Fehlverhalten.

Die Gemeinde ist der Ort der Glaubenden, die durch die Taufe in die Gemeinde aufgenommen werden. Die Gemeindeglieder pflegen ein geschwisterliches Verhältnis zueinander. Getauft wird auf das Bekenntnis des Glaubens durch Besprengung (Kirchliche Mennoniten) oder Untertauchen (Mennoniten-Brüdergemeinden). Tauffeste sind bedeutende Anlässe, die in der Gemeinde mit großem Aufwand gefeiert werden und der Bestärkung im Glauben dienen.

6. Übergemeindliche Zusammenschlüsse

In zwölf Kooperationen fanden sich die russlanddeutschen Mennoniten, EvangeliumsChristen-Baptisten und Baptisten nach ihrer Niederlassung in Deutschland zusammen (→Deutschland). Nur fünf Arbeitsgemeinschaften führen den Begriff „Mennoniten“ im Namen. Nicht alle russlanddeutschen Gemeinden haben sich auf eine solche Plattform gestellt. Viele Aussiedler misstrauen übergemeindlichen Strukturen, ob innerhalb der eigenen oder gegenüber benachbarten Gruppen. Die Gemeinden sind auf ihre Selbständigkeit bedacht und bleiben eher unverbindlich. Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, wie unterschiedlich- schon von der Größe her - die Gemeinden (20 bis 2300 getaufte Glieder) und ihre Bünde (273 bis 19.693 Glieder) sind. Im Jahre 2006 wurden 510 Gemeinden mit 72.000 Gliedern gezählt. Der Vergleich mit früheren Jahren zeigt, dass die Zahl der Gemeinden und der Mitglieder stark zugenommen hat. Der in den letzten Jahren verzeichnete Zuwachs kommt überwiegend durch Zuzug und Nachwuchs zustande und zu einem kleinen Teil auch durch Mission. Die einzelnen Gruppen sind keineswegs fest gefügt; es kommt immer wieder zu Spaltungen oder zu Übertritten von Gemeinden.

Die Gemeinden sind innerhalb ihres Bundes selbstständig und unabhängig, ihre Leitung wird in der Regel von einem oder mehreren Ältesten wahrgenommen, deren Vollmachten oft unbeschränkt sind und kaum hinterfragt werden.

Die Kommunikation untereinander wird durch Zeitschriften und zahlreiche Publikationen hergestellt. Der Lichtzeichen-Verlag (früher Logos-Verlag, seit Anfang der 1990er Jahre) verlegt christliche Bücher und arbeitet als Versandbuchhandlung. Im Programm sind neben mennonitischen Büchern auch Literatur in russischer Sprache sowie CDs und DVDs in beiden Sprachen. Einige Konferenzen/Gemeindegruppen geben Zeitschriften heraus.

7. Mission

Bald nach ihrer Ankunft sahen sich die russlanddeutschen Mennoniten zur Mission gerufen und betrieben ab 1975 ein russisches Radioprogramm mit christlicher Botschaft. Missionare wurden 1977 nach Brasilien ausgesandt, auch wurden Evangelisationen in Bielefeld veranstaltet. Im Laufe der letzten 30 Jahre haben sich die russlanddeutschen Mennoniten immer mehr diakonischen und missionarischen Projekten gewidmet. Ein Schwerpunkt lag in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Es werden Missionsstationen in St. Petersburg, im Gebiet der früheren mennonitischen Kolonien in der südlichen Ukraine, in Lemberg und in Kirgisien, aber auch in Brasilien betrieben. Die Missionsgesellschaft „To All Nations“ ist in 20 Ländern tätig. Das Missionswerk setzt etwa 70 aus Deutschland entsandte Missionare ein und unterstützt damit Projekte in 18 Ländern; dort werden sie von 300 ortsansässigen Mitarbeitern unterstützt. Etwa 40 Mitarbeiter sind in Deutschland missionarisch tätig.

8. Die russlanddeutschen Mennoniten sind angekommen

Die Mitglieder der russlanddeutschen Mennonitengemeinden haben in der UdSSR gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie sind geprägt von den Leiden einer sechzigjährigen Verfolgungszeit und den Folgen der Verschleppung. Sie bauten sich in etwas mehr als einer Generation in einem Deutschland, das sich in ihren Augen so stark verändert hatte, eine neue Existenz auf. Sie gründeten Gemeinden, die in der Lage waren, Neuankömmlingen eine geistliche Gemeinschaft zu bieten und sich in die deutsche Gesellschaft einzufinden. Heute treten sie nach außen als eine fest gefügte Gruppe auf, die sich von den Erscheinungen des Zeitgeistes fernhält und ihren jeweils eigenen Weg sucht. Die russlanddeutschen Mennoniten haben in der freikirchlichen Landschaft Deutschlands einen festen Platz gefunden.

Literatur

Horst Gerlach, Die Rußlandmennoniten. Ein Volk unterwegs. Kirchheimbolanden 1998. - John N. Klassen, Mennonites in Russia and their Migrations, in: John A. Lapp und C. Arnold Snyder (Hg.) Testing Faith and Tradition, Intercourse, PA, 2006, - S 181 ff. - John N. Klassen, Rußlanddeutsche Freikirchen in der Bundesrepublik, Nürnberg und Bonn 2007. - Diether Götz Lichdi, Mennoniten in Geschichte und Gegenwart, Weisenheim am Sand, 2004. - Ders., Mennoniten, in: Lothar Weiß (Hg), Russlanddeutsche Migration und evangelische Kirchen, Bensheimer Hefte 115, Göttingen 2011. - Heinrich Löwen, Russische Freikirchen. Die Geschichte der Evangeliumschristen und Baptisten bis 1944, Bonn 1995. - Ders., Russlanddeutsche Evangelikale, Bd. 1: Grundzüge des historischen und theologischen Hintergrunds russlanddeutscher Freikirchen, München 2010. - Ders., Russlanddeutsche Evangelikale, Bd 2: Das religiöse Erscheinungsbild russlanddeutscher Freikirchen in Deutschland, München 2011. - Johannes Reimer, Auf der Suche nach Identität. Russlanddeutsche zwischen Baptisten und Mennoniten nach dem zweiten Weltkrieg, Lage 1996. - Elisabeth Wisotzka, Die Überlebensstrategien der russlanddeutschen Mennoniten, Bonn 1992. -Mennonitisches Jahrbuch, hg. von der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG): Flucht und Vertreibung 1985; Aussiedler - Gemeinsamkeit suchen, 1990; Diakonie, Gabe und Aufgabe, 1999.

Gemeindezeitschriften

Dem Lamme nach, hg. von der Bruderschaft der Christengemeinden in Deuschland (BCD). - Eben Ezer, hg. von der Bruderschaft der EvangeliumsChristen-Baptisten (BEChD). - Jünger und Meister, hg. vom Bund Taufgesinnter Gemeinden e. V. (BTG). - Hoffnungsbote. Hg. von dr Vereinigung der EvangeliumsChristen-Baptisten (VEChB). - „Folge mir!“, hg von der Arbeitsgemeinschaft zur geistlichen Unterstützung in Mennonitengemeinden (AGUM). - Plautdietsch FRIND, hg. vom, Plautdietsch-Freunde, Internationaler Verein zu Dokumentation, Pflege und Förderung der plautdietschen Sprache. -

Internet:

Bibelseminar Bonn: www.bsb-online.de - To All Nations e. V.: www.to-all-nations.de - Bund Taufgesinnter Gemeinden (BTG): www.btg-online.de

Diether Götz Lichdi

 
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