Goll, André

geb. am 18. April 1918 in Beaucourt (Territoire de Belfort), Frankreich, gest. am 12. November 1975 in Montbéliard; Reiseprediger.

André Goll war das sechste und jüngste Kind seiner in Montbéliard lebenden Familie. Er wuchs in der dortigen Mennonitengemeinde auf, in der er am 21. Mai 1933 getauft wurde. Von der Heilsarmee, bei der sein Vater ein tüchtiger „Heilssoldat“ war, hat er ebenfalls in seinen jungen Jahren viel gelernt.

Ein wichtiges Vorbild war ihm sein Onkel mütterlicherseits, Fritz Goldschmidt aus Basel. Dieser war Reiseprediger in den Gemeinden im Elsass und in Lothringen und hat ihn in seiner Entscheidung, selbst in den Dienst der Mennonitengemeinden einzutreten, sehr bestärkt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und mangels der Möglichkeit, Zivildienst zu leisten (undenkbar zu jener Zeit), wurde er 1939 als Wehrpflichtiger eingezogen. In den heftigen Gefechten während der Feldzüge erfuhr er, wie er sich selbst äußerte, Gottes schützende Hand über sich. 1941 wurde er in der unbesetzten Zone Frankreichs demobilisiert.

Genau in dieser Zeit war er im Gespräch mit den Ältesten der Mennonitengemeinden, die in ihm einen möglichen dauerhaften Prediger für die in Lothringen und im Osten Frankreichs zerstreuten Gemeinden sahen. In diesem Sinne unterstützten sie ihn in seiner Entscheidung, sich theologisch ausbilden zu lassen.

Gleich nach Kriegsende begann er sein Studium am „Institut Biblique“ in Nogent sur Marne und gehörte damit zum „Jahrgang der Befreiung“ (promotion de la libération, 1945-1949). Er lernte viel und wurde ermutigt, 1949 sein Studium im Mennonite Biblical Seminary in Chicago fortzuführen.

Im Austausch mit den amerikanischen Mennoniten fühlte er sich in seinem Wunsch bestätigt, dem Herrn zu dienen und zwar in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Er verinnerlichte die amerikanischen christlichen Methoden mit ihren modernen audiovisuellen Lehrmitteln, die in Frankreich damals noch kaum bekannt waren.

1951 wurde er zum Prediger eingesegnet und zum treuen Mitarbeiter Pierre Widmers, ebenfalls wurde er von den Mennonitengemeinden fest angestellt. Zusammen unterrichteten sie an der Bibelschule zunächst in Basel, dann auf dem Bienenberg in Winterkursen für junge französische Mennoniten.

1952 heiratete er Suzanne Gauthier von der Gemeinde Toul; zusammen bekamen sie drei Kinder. Seine Frau unterstützte ihn tatkräftig in seiner Kinder- und Jugendarbeit während der Ferienlager und Jugendfreizeiten. Dort haben viele Kinder und Jugendliche der Gemeinden prägende Momente erlebt. Diese Arbeit war, seiner eigenen Aussage nach, das Kernstück seiner pastoralen Tätigkeit.

1956 wurde er zum Reiseprediger der französischsprachigen Mennonitengemeinden mit Befugnissen eines Ältesten. Fast 25 Jahre lang besuchte er die Mennonitengemeinden im Osten Frankreichs, von Belgien bis hin zum Pays de Gex, aber auch die Schweizer Gemeinde Bulles in der Nähe von La Chaux-de-Fonds. Er hielt jeden Monat einen Gottesdienst in den Gemeinden von Baccarat und Lunéville und wurde so ihr Hauptprediger. In dieser Region, in der die Diaspora über keine Führung mehr verfügte, sorgte er dafür, dass diese Gemeinden nicht verkümmerten.

Im Ältestenrat der Gemeinde Montbéliard nahm er ebenfalls eine wichtige Rolle ein.

Dank seiner Aufenthalte in den USA und Kanada empfing er zahlreiche nordamerikanische Delegationen und Gruppen mennonitischer Besucher, um sie an Orte zu führen, in denen ihre Vorfahren gelebt hatten. Seine genealogischen Kenntnisse zu den mennonitischen Familien waren von unschätzbarem Wert. Sein Wirken endete nach schwerer Krankheit am 12. November 1975.

Literatur

Pierre Widmer, Nachruf in: Christ Seul 12, Dezember 1975. - Persönliche Erinnerungen und Archivmaterial im Privatbesitz von Pierre-Yves Goll.

Pierre-Yves Goll

 
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