Götzke, Bruno Albert

geb. am 20. Februar 1895 in Skuldeinen (Kreis Elchniederung, Ostpreußen), gest. am 24. April 1962 in Backnang (Baden-Württemberg), Ältester der Gemeinde Memelniederung, Bruno Götzke bewirtschaftete Bauernhöfe in Neuhof und Neukirch (Kreis Elchniederung). Seit 1932 diente er in der Gemeinde Memelniederung als Prediger und wurde dort im folgenden Jahr auch zum Ältesten bestimmt. Neben diesen Tätigkeiten amtierte er in Neukirch seit Ende der dreißiger Jahre bis Kriegsende als Bürgermeister. Im Oktober 1944 floh Bruno Götzke wie alle Bewohner von Neukirch vor der heranrückenden Roten Armee. Nach seiner Gefangennahme wurde Bruno Götzke von der sowjetischen Geheimpolizei verhört, physischer Gewalt ausgesetzt und schließlich zur Zwangsarbeit in eine Kolchose verbracht.

Am 2. Oktober 1948 von der Sowjetunion nach Berlin abgeschoben, gelangte Bruno Götzke über das „Auffanglager Heiligenstadt“ nach Zörbig bei Bitterfeld. Von dort nahm er Verbindung mit der Berliner Mennonitengemeinde (→Berlin) auf und wurde von dem dortigen Ältesten Erich →Schultz als Reiseprediger eingesetzt. Seit 1949 besuchte er die auf dem ganzen Gebiet der DDR verstreut lebenden, vielfach aus den ehemaligen Ostgebieten stammenden Mennoniten. Er erteilte Taufunterricht, taufte, predigte und leitete das Abendmahl an zahlreichen Orten, beispielsweise in Halle (Sachsen-Anhalt), Döbeln (Sachsen) oder Schwerin (Mecklenburg). In dieser Phase wanderten viele Mennoniten nach Westdeutschland und Amerika ab. Aus diesem Grund geriet Bruno Götzke ins Visier der Sicherheitsbehörden. Doch am 14. Januar 1953 gelang ihm die Flucht in den Westen, zur Familie des Berliner Ältesten Schulz. Bruno Götzke fand in →Backnang (Baden-Württemberg) eine neue Heimat, wo er als Ältester der dortigen Mennonitengemeinde wirkte.

Bruno Götze war seit 1922 verheiratet mit Elisabeth Marie geb. Ewert (1945 verstorben); aus der Ehe gingen drei Kinder hervor (Marianne, Hildegard und Benno). Nach dem Tod seiner Frau heiratete Bruno Götze die Witwe Charlotte Köppke (geb. Pranger).

Quellen

Bruno Götzke, Der Herr hat mich den Weg geführt, in: Mennonitische Forschungsstelle Weierhof, BMG, Karton 9 (autobiografischer Bericht).

Literatur

Helga R. Goetzke, Die Mennoniten. Bruno Albert Götzke, 1895-1962, Studienarbeit für das Kanadische Mennonitische Bibel-College, aus dem Englischen übersetzt von Günter Bartel, Winnipeg/Manitoba 1986. - Imanuel Baumann, Als der Entwurf zum Verbot der Mennoniten in der DDR bereits aufgesetzt war. Bemerkungen zu einem Fund von staatlichen Dokumenten aus den Jahren 1951 und 1952, in: Mennonitische Geschichtsblätter 2016 (im Druck).

Imanuel Baumann

 
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