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Dollinger, Gerhard

geb. 1914, gest. am 16. Juli 2002 in Ittersbach b. Karlsruhe, Deutschland; Arzt und deutscher Honorarkonsul in Paraguay.

In der Geschichte der Kolonie Fernheim ist im Bereich des Gesundheitswesens der Name keines anderen Arztes so bekannt geworden wie der Dr. Gerhard Dollingers. Seine Tätigkeit begann hier 1951 und erstreckte sich über dreizehn Jahre. Damit gehört er zu den Ärzten, die hier am längsten in verantwortlicher Stellung gearbeitet haben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war Dollinger in amerikanische Gefangenschaft geraten. Dort hatte er den auch gefangenen Dr. Wilhelm Rakko, der aus den Mennonitensiedlungen in der Ukraine stammte und später in der Kolonie Neuland arbeitete, kennen gelernt. Die Kolonie Fernheim suchte einen Arzt, möglichst einen Chirurgen. Durch Vermittlung von Dr. W. Rakko wurde der Kontakt zwischen ihm und dem →Mennonite Central Committee (MCC) in Frankfurt hergestellt. Das MCC hatte seit Beginn des Krieges nach Möglichkeit die Kolonie Fernheim mit Ärzten versorgt. Die notwendigen Vereinbarungen wurden getroffen, und das Ehepaar Dollinger, damals noch ohne Kinder, trat die Reise an, zunächst per Schiff nach Buenos Aires, dann mit dem Flussschiff bis Asunción und von dort per Flugzeug nach Filadelfia, Paraguay. Der bisher in Filadelfia tätige Arzt Dr. A. Wägele verließ seine Stelle und ging nach Brasilien.

Dollinger hatte die Aufgabe, den Krankenhausbetrieb weiterzuführen. Dazu gehörten auch die Schwesternkurse, alleiniger Zuständigkeitsbereich der Ärzte damals. Manche Absolventen blieben im Betrieb, andere heirateten bald, und so entstand ständig neuer Bedarf an Schwestern auf Missionsstationen oder in anderen Kolonien. Dollinger sorgte für ein gutes Arbeitsklima und nicht weniger auch für Abwechslung in der Freizeitgestaltung - bis dahin hier unbekannt.

Durch seine spontane, freundliche Art, auf jeden zuzugehen, hatte das Ehepaar bald einen großen Bekannten- und Freundeskreis. Die inzwischen „Familie“ gewordenen Dollingers waren ganz in die Koloniegemeinschaft integriert. Dollinger nahm Kontakt zu den Ärzten der Nachbarkolonien auf und entwickelte daraus eine durchaus effiziente Zusammenarbeit. Man traf sich in monatlichen Abständen. Dollinger nutzte seine Urlaubsaufenthalte in der Heimat immer dazu, bei befreundeten Kollegen anderer Fachgebiete noch etwas dazuzulernen. So hielt er sich medizinisch und auch sonst auf dem Laufenden.

Sein Einkommen hier stand in keinem Verhältnis zu dem, was seinesgleichen in der Bundesrepublik Deutschland verdienten. Das eine Mal wurde er mit Geld, das andere Mal mit Rindern bezahlt. Anscheinend waren beide Teile zufrieden, denn es hat (heute nicht nachweisbar) geheißen, dass die Vereinbarung auf lebenslänglich gelten sollte.

Aus seiner außerberuflichen Tätigkeit ist sein Einsatz damals für die als staatenlos geführten Siedler der Kolonie zu erwähnen. So konnte durch seine Vermittlung ein Teil der Bürger die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen. Parallel dazu wurde er von deutscher amtlicher Seite zum Ehrenkonsul ernannt - mit dem Wappen über der Tür und der deutschen Fahne vor dem Hauseingang.

Nach dreizehnjähriger Tätigkeit entschlossen sich Dollingers, in die Heimat zurückzukehren. Es folgten eine Tätigkeit in einem deutschem Krankenhaus, ein Einsatz in einem Missionskrankenhaus in Syrien, und dann ließen Dollingers sich in einer Privatpraxis in Ittersbach, in der Nähe von Karlsruhe, nieder. Hier hat Dollinger dann noch mehr als zwei Jahrzehnte sehr intensiv gearbeitet, um dann die letzten Lebensjahre zurückgezogen am Rande der Ortschaft zu verbringen. Von seinen Erfahrungen im Chaco Paraguays erzählte er in mehreren Bücher.

Werke

In meine Heimat kam ich wieder. Stuttgart, 1989. - Ein Landarzt erzählt, Stuttgart 1991. - Das Paradies in der grünen Hölle. Was ein Landarzt erlebte, Stuttgart 1992. - Im Land der Papageien. Wuppertal 2002.

Literatur

Rudolf Dyck, Aus dem Leben eines Arztes im Chaco. Filadelfia 2007.

Rudolf Dyck

 
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